Hannover-96-Fans brennen während des Europa-League-Spiels Hannover 96 gegen FC Kopenhagen in der AWD-Arena in Hannover bengalische Feuer ab. Der Niedersächsische Fußballverband, die vier Spitzenvereine und das Innenministerium haben sich auf einen klaren Kurs gegen Gewalt und Pyrotechnik in Stadien verständigt. © dpa
18.07.2012

Fußball-Sicherheitsgipfel: Stehplatzverbot möglich 4

Vor dem Sicherheitsgipfel des deutschen Fußballs hält sich Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich ein Verbot von Stehplätzen für die Zukunft weiter offen und fordert stärkere Sicherheitsmaßnahmen. «Der wichtigste Vorschlag wird sein, dass die Vereine den Dialog mit den Fans suchen müssen, dass sie Fanarbeit verstärken, aber auch Sicherheitsvorschriften beachten müssen, zum Beispiel Einlasskontrollen für die Stadien verstärken», sagte der CSU-Politiker am Dienstag im ARD-«Morgenmagazin».

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Am heutigen Dienstag treffen sich Vertreter der 54 deutschen Proficlubs in Berlin mit Friedrich, um über Maßnahmen nach den Ausschreitungen der vergangenen Saison zu beraten. Dabei stünden die Stehplätze zunächst nicht zur Disposition, bekräftigte Friedrich, warnte aber: «Wenn wir keine Ruhe in die Stadien bekommen sollten, (...) dann wird man auch über diese strikteren Maßnahmen nachdenken müssen.» Fanvertreter wie René Lau von der Arbeitsgemeinschaft Fananwälte hatten diese Haltung bereits zuvor als «Erpressung» kritisiert.

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Eine Kostenbeteiligung der Clubs und Verbände an den direkten Polizeieinsätzen in den Stadien soll es laut Innenminister Friedrich nicht geben. Die Vereine seien für die Ordner und Begleitung der Fans auf Auswärtsfahrten verantwortlich. «Für die allgemeine Sicherheit ist die öffentliche Hand zuständig. Bei dieser Arbeitsteilung muss es bleiben», sagte Friedrich.

Bei dem Einsatz von Pyrotechnik erwartet er ein klares Bekenntnis der Vereine. «Die Bengalos sind verboten, es kann in dieser Frage keine Kompromisse geben», betonte Friedrich.

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Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft hat ein härteres Durchgreifen der Politik im Kampf gegen Gewalt in deutschen Fußballstadien gefordert. Die Landesinnenminister sollten «verbindlicher auf die Vereine einwirken» und «dafür sorgen, dass bestimmte Regeln auch eingehalten werden», sagte Rainer Wendt im Deutschlandradio Kultur. Die vom Sportgericht des DFB verhängten Strafen hätten «nichts mit echten Sanktionen zu tun», kritisierte Wendt. Diese würden die Clubs «aus der Portokasse» bezahlen. Er forderte erneut eine Sicherheitsgebühr, durch die die Vereine an den Einsatzkosten der Polizei teilhaben würden.