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10.07.2009

G8-Gipfel beendet

Der G8-Gipfel in Italien war wohl mehr auf Wunderheilung angelegt: Er sollte die Klimakatastrophe abwenden, den Lebensstil der Reichen wahren und die Armen nicht noch ärmer machen. Ein interessanter Zielkonflikt, der genau dort endet, wo er enden muss: in der Sackgasse. Dennoch – die Konferenz war sicher nicht sinnlos, auch wenn sich die Schwellenländer nicht auf konkrete Maßnahmen festlegen ließen, mit denen die Erderwärmung schließlich begrenzt werden könnte.

Kluft zwischen Schein und Sein

Wer sich ambitionierte Ziele steckt wie die Europäer, muss begreifen, dass klimapolitisch keine Alleingänge möglich sind. Die meisten Staaten der Welt unterstützen prinzipiell die Klimaziele. Die Mischung aus Anpassung an ein wärmeres Klima und Technologietransfer sagt sowohl Schwellenländern wie armen Nationen zu, die nicht auf Wohlstand verzichten wollen, bevor sie überhaupt erreicht haben. Und in den reichen Industrienationen ist ohnehin kaum einer bereit, zugunsten des Klimaschutzes auf Fernreisen zu verzichten oder sein tägliches Leben verteuern zu lassen.

Wer an die nahe Katastrophe glaubt, dem muss all das als zu wenig und zu spät erscheinen. Gerade in Europa, wo man sich besonders intensiv düstere Szenarien zu eigen macht, wäre aber mehr Realitätssinn heilsam. Denn was passiert wirklich außer dem politischen Wortgeklingel? Nichts! Bisher stemmt sich kein europäisches Land gegen die ständige Ausweitung des Flugverkehrs oder stoppt den Bau neuer Autobahnen. Keine Regierung wagt es, die Benzinsteuer drastisch zu erhöhen oder der eigenen Bevölkerung ernstlichen Wohlstandsverzicht zuzumuten zugunsten weniger wohlhabender Länder.

Wem es ernst ist mit dem Umweltschutz, müsste allmählich beginnen, auf Wachstum zu verzichten und den Lebensstandard an die knapper werdenden Ressourcen anzupassen. Doch das wäre der sicherste Weg in den politischen Selbstmord. In demokratischen Gesellschaften, deren Prinzip es ist, bessere Lebensbedingungen zu versprechen, ist eine solche Politik kaum durchsetzbar. Seit 1945 haben wir schließlich nichts anderes gelernt als das ungehemmte Wachstum. Das ist auch der Grund dafür, warum es diese irritierend weite Kluft gibt zwischen der europäischen Klimarhetorik und europäischem Handeln.

Was bleibt, ist die vielleicht berechtigte Hoffnung, dass der Einfluss der Industriezivilisation auf Planet und Biosphäre im Guten wie im Schlechten überschätzt wurde; dass wir also noch vor dem Kollaps technologische Durchbrüche schaffen, die unseren wachsenden Energiehunger stillen und zugleich unsere Umwelt entlasten können – dazu könnten sogar neue Atomkraftwerke gehören. Dann wären wir Tages wenigstens nicht mehr auf die Gipfeltreffen politischer Wunderheiler angewiesen.