nach oben
17.04.2009

Genmais, Beifang und die Welternährung

Du bist, was du isst. Ein abgedroschener Spruch, der aber nichts von seiner Richtigkeit eingebüßt hat. Selten war er so wahr wie heute: Gentechnik im Essen und genetisch selektierte Schweine für die Mast sind da nur die Spitze des Eisbergs. Darunter liegen haufenweise verendete Fische, Pestizide im Gemüse, Gammelfleisch und jede Menge anderer Unappetitlichkeiten. Das Verbot der Genmaissorte MON 810 der Firma Monsanto ändert daran nur wenig.

Ist es nun unsachlich, das alles in einem Atemzug zu nennen? Zugegeben: Es ist schon ein qualitativer Unterschied, ob man bei der Entwicklung von Saatgut die (zum Teil noch ungewissen) Folgen für die Tierwelt aber auch für den Menschen billigend in Kauf nimmt, oder ob man, sagen wir, schimmeliges Fleisch zu Dönerspießen verarbeitet.
Dennoch hat es etwas für sich, das Ganze mal in einen Topf zu werfen. Das Bindemittel ist nämlich durchaus vorhanden: Große Sorglosigkeit im Umgang mit dem Leben und dem Lebensmittel und noch größere Profitgier sind all den oben beschriebenen Tatsachen rund um die Nahrungsmittelindustrie gemein. Hauptsache das Geld stimmt. Da werden moralische, gesundheitliche und sonstige Bedenken schon mal über Bord geworfen – gemeinsam mit dem Fisch-„Müll“, der sich nicht für den Verkauf eignet. Was dabei herauskommt, wird nur in den seltensten Fällen zum offensichtlichen Lebensmittelskandal. Viel häufiger lässt die Wirkung eine Zeit lang auf sich warten und findet deshalb erstmal keine Beachtung: Wer weiß heute schon, welche Bedeutung der Schädling mit dem seltsamen Namen Maiszünsler für uns haben wird? Und wer wusste damals schon, dass die Verfütterung von Tiermehl Rinderwahn auslöst?
Die Lehre daraus muss lauten: mehr Behutsamkeit im Umgang mit Leben (-smitteln). Gerade von Seiten der Verbraucher. Die haben es oft besser in der Hand als die Politik, saubere Standards durchzusetzen. Vorausgesetzt sie erkennen ihre Macht und ihre Verantwortung. Die Politik aber tut gut daran, sich nicht von dem pauschalen Wehklagen um den Forschungsstandort Deutschland überrollen zu lassen. Forschen ist ja weiterhin erlaubt und tut Not, wenn genveränderten Lebensmitteln tatsächlich einmal die Retterrolle zukommen soll, die ihnen viele Befürworter bereits zugedacht haben: dann, wenn es darum geht, die explodierende Weltbevölkerung zu ernähren.
Bislang taugt die Gentechnik zum Kampf gegen den Hunger in der Welt nicht. Auch weil das Saatgut immer wieder neu gekauft werden muss, während die einheimischen Sorten allmählich verschwinden. Profiteure sind Konzerne wie Monsanto, die sich bereits heute mit der grünen Gentechnik eine goldene Nase verdienen. Doch die Folgekosten sind es, über die wir uns Gedanken machen müssen.