

ENGELSBRAND. Es hat noch geblutet: Das tote Rehkitz, das Bernhard Kleile vergangenen Samstagmittag in seinem Jagdrevier in Engelsbrand gefunden hat. Der Jäger ist sich sicher: „Ein freilaufender Hund hat das Tier am Vormittag gerissen und das Hinterteil zerfleischt.“ Danach muss sich das Reh noch etwa 150 Meter weiter geschleppt haben, bevor es im Schnee unter Schmerzen zusammengesackt sei, sagt Kleile, der die Blutspur zurückverfolgt hat.
Genau eine Woche zuvor lag in seinem Revier nur noch das blutverschmierte Gerippe eines anderen Rehs im Schnee. Insgesamt seien es nun sieben gerissene Wildtiere in nur einem Jahr, zählt Kleile: „So etwas habe ich noch nie erlebt.“ Seit 20 Jahren ist er Jagdpächter in Engelsbrand und hat bislang ein bis zwei gerissene Rehe jährlich gefunden. Verantwortlich dafür macht Kleile uneinsichtige Hundebesitzer: „Sie lassen die größten Kampfhunde unbeobachtet frei laufen und sagen, ihr Tier tue nichts, wolle nur spielen.“
Für den Jäger klarer Blödsinn. Wenn ein Reh vorbei springe, wecke es den Jagdinstinkt im Hund, der dann hinterher wetze bis er seine Beute erlegt habe, sagt Kleile. Die hohe Zahl gerissener Rehe in Engelsbrand kann sich Kreisjagdmeister Dieter Krail nur mit der Winterruhe der Tiere erklären, bei der sie ihre Körperfunktionen auf ein Minimum herunterfahren: „Werden sie dabei von freilaufenden Hunden erschreckt, sind sie zu schwach für eine Flucht über lange Strecken.“
Ertappt ein Jäger einen wildernden Hund, müsse er zunächst versuchen, ihn einzufangen. Erst als allerletztes Mittel könne er den Vierbeiner erschießen. „So sagt es das Gesetz. Mir ist aber ein solcher Fall nicht bekannt“, sagt Krail, der eine Anzeige gegen den Hundehalter für effektiver hält. Die ziehe oft hohe Geldstrafen nach sich.
Kleile hat nun Anzeige gegen unbekannt wegen Jagdwilderei erstattet. Ansonsten könne er nur weiterhin alle Hundehalter dazu ermahnen, besser auf ihre Tiere acht zu geben: „Damit nicht noch mehr gerissene Rehe qualvoll sterben müssen.“
Autor: Carolin Kirstein





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