

PFORZHEIM/NEUHAUSEN. Kennen Sie die russische Stadt Khanty-Mansiysk? Wenn nicht, dann geht es Ihnen genauso wie dem 19-jährigen Schachgroßmeister Sebastian Bogner aus Neuhausen vor zwei Monaten.
Just zu diesem Zeitpunkt erfuhr Bogner von Bundestrainer Uwe Bönsch, dass er für die Schacholympiade 2010 in der sibirischen Kleinstadt (72 000 Einwohner) nominiert wurde. An sich ist das nichts Neues für den jungen Brettstrategen, der schon vor zwei Jahren beim selben Wettbewerb in Dresden teilgenommen hat. Anders ist diesmal nur, dass Bogner nicht für das Junioren-Team, sondern für die Herren-Equipe an den Start geht. „Zurzeit rangiert Sebastian auf der deutschen Rangliste so um Platz sechs“, verrät Vater Norbert Bogner vom SK Neuhausen. Weil sich im Vorfeld der Großveranstaltung aber der deutsche Schachbund und die Top-Fünf der Rangliste nicht über die Honorar-Sätze einigen konnten, müssen nun die talentierten Nachwuchskräfte ran.
Zu ihnen gehört Sebastian Bogner schon lange. Und weil er seine ELO-Zahl von 2549 weiter verbessern will, schloss er sich auch zur neuen Saison gemeinsam mit seinem Neuhausener Teamkollegen Tobias Hirneise (21) dem Bundesligisten SV Wattenscheid an. Hier wird der 19-Jährige künftig an Brett zwei oder drei gegen starke Spieler aus Deutschland und Europa antreten.
Aber die Schacholympiade im Herzen Russlands etwa 2000 Kilometer östlich von Moskau ist noch ein paar Hausnummern größer, weil sich dort unter rund 1400 Denk-Sportlern aus weit über hundert Ländern auch die Crème de la Crème tummelt. Dazu zählen in diesem Jahr auch Ex-Weltmeister Wladimir Kramnik und der derzeitige Weltranglisten-Erste Magnus Carlsen (19) aus Norwegen. „Die Schacholympiade ist das bestbesetzte Turnier der Welt. Nirgendwo anders sitzt man in Reichweite von sovielen Top-Spielern und Stars“, schwärmt Bogner.
Nur einer fehlt noch im Konzert der Großen: Der aktuelle Weltmeister Viswanathan Anand (Indien) hat kurzfristig abgesagt. Das trübt allerdings kaum die Abenteuer-Stimmung des Neuhauseners. So effektiv wie möglich hat Bogner die knappe Vorbereitungszeit genutzt. Denn die Schacholympiade in der sibirischen Sportstadt (Biathlon u.a.) beginnt schon am morgigen Sonntag und dauert zwei Wochen.
Zum Trainingsprogramm Bogners – unter anderem am Bundesleistungszentrum in Baden-Baden – zählten besonders Lektionen im schnellen Varianten-Berechnen. „Nur so kann man bei einem Turnier lange die Höchstform halten“, weiß der 19-Jährige, der seiner Premiere im Herren-Nationalteam aber gelassen entgegensieht: „Ich mache mir überhaupt keinen Druck und versuche einfach, möglichst viele Spiele zu gewinnen“, sagt Bogner.
In Khanty-Mansiysk würde ihm dabei besonders eine Sache mächtig helfen: Bloß nicht wieder so oft mit den ungeliebten schwarzen Figuren antreten zu müssen, wie das zuletzt in Dresden der Fall war.
Autor: PZ-Mitarbeiter Peter Hepfer





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