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29.10.2010

Halloween, Allerheiligen und Reformation

Lassen wir doch bitte die Kirche im Dorf: Am Wochenende feiern wieder Millionen Kinder, Jugendliche und Erwachsene im Land Halloween. Na und? Das mag zwar viele Gläubige stören. Aber wirklich schlimm ist es nicht. Diejenigen, die am Wochenende das aus den USA importierte und ursprünglich aus Irland stammende Gruselfest feiern, wären nicht frommer, wenn es Halloween nicht gäbe. Und den Kirchen würde es ganz bestimmt nicht besser gehen.
Halloween ist kein Problem
Trotzdem bringt Halloween mit sich, dass bei den Protestanten das Reformationsfest am 31. Oktober und bei den Katholiken Allerheiligen am 1. November in den Hintergrund gedrängt wird. Das ist bedauerlich, weil es ein Verlust religiöser, kultureller und historischer Werte ist. Wer dies allerdings bitterlich beklagt, darf sich nicht über Halloween beschweren. Denn Halloween ist letztlich nur die logische Konsequenz einer immer säkularisierteren und konsumorientierten Gesellschaft, die nach jeder Form von Party lechzt und in der die Kirchen eine immer unbedeutendere Rolle spielen. Die Kirchen selbst sind sich dessen offenbar bewusst. Nur so lässt sich erklären, dass sie quasi als religiöse Gegenbewegung zu Halloween nun mit „Churchnights“ so genannte Jesus-Partys veranstalten.
Im Grunde gibt es daran nichts auszusetzen. Es ist gut und richtig, dass auch in der Kirche gefeiert wird. Denn Feiern gehört zum Leben und Glauben ist Leben. Die Frage ist nur, warum den Kirchen solche Ideen in der Regel nur als Reaktion auf irgendwelche Trends einfallen, die sie ins Abseits drängen. Warum waren und sind die Kirchen nicht selbst Trendsetter – so wie es Jesus als der größte Revolutionär aller Zeiten vorgelebt hat?
Wie Gläubige Trends setzen können, zeigte am besten Martin Luther mit seinen 95 Thesen, die er der Überlieferung nach am 31. Oktober 1517 an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg schlug und damit den Grundstein legte für die Reformation. Luther – und an dessen Seite der aus Bretten stammende Philipp Melanchthon – kämpfte gegen eine Kirche, die dem Volk vorgaukelte, mit dem Ablasshandel zu einem besseren Christenmenschen zu machen. Diesen Mut und diese Überzeugungskraft fehlt der Kirche von heute.
Aber auch die Politik lässt dies vermissen. Die Reformation ist eine Botschaft und ein Appell an die Politiker, auf die Menschen zu hören und zuzugehen – ihnen die Angst vor der Zukunft zu nehmen und sie von dringend notwendigen Veränderungen zu überzeugen. Nicht abgehoben und von oben herab, sondern so, dass sich die Menschen mit ihren Sorgen und Nöten Ernst genommen fühlen.