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22.02.2008

Han(n)gover

Einfach mal hinaus in die große Welt. Ins Auto und weg. Den Alltag zu Hause lassen. Junge Menschen, die auf den Putz hauen wollen, zieht es gerne für ein Wochenende nach Berlin, wo der Untergrund wimmelt vor wilden Indie- und Electro-Partys. Oder nach Hamburg, wo die Reize des Lebens prall prahlen.

Andere Menschen gehen nach Hannover. Ich zum Beispiel. Dort ist am vergangenen Samstag tote Hose. In der Lobby meines Hotels am Rande der Stadt feiert Erich seinen 70. Geburstag. Eine greise Groupie-Gruppe gröhlt: „So ein Tag, so wunderschön wie heute.“ Welch öde Party-Meute. Genau wie der Rest Hannovers. Nun gut, in der Stadt sind ein paar Discos, doch nirgendwo steppt der Bär.
Hannover fühlt sich an wie ein Hangover – so sagt man in englischer Sprache zu einem fiesen Kater, der den Menschen durchhängen lässt. Der Hangover Hanovers ist ein Durchhänger jugendlicher Kreativität. In der niedersächsischen Hauptstadt geht es äußerst trantütig zu. Die Nacht des vergangenen Samstags ist so träge, dass ein heftiger Sturm darauf folgen musste.

Szeneapplaus. Diesen Sturm entfachten die kreativen Köpfe der „Capelli Group“ am Sonntag auf dem Laufsteg. Die neue Kollektion der Haarmode-Schöpfer mit Salons in Ludwigsburg und Mühlacker namens „Scene“ hat bei ihrer Deutschland-Premiere ordentlich Staub aufgewirbelt. Im Hannoveraner „Star Event Center“ waren 970 Zuschauer begeistert von der Show, die zehn Models, zwei Tänzerinnen und sechs Friseure auf der Bühne auf die Beine stellten. Der letzte Haarmode-Schrei, theatralisch und musikalisch in Szene gesetzt, verbindet Asymmetrie und klare grafische Formen. Mutige Farben und klare Strukturen. Und: All das sieht wohltuend anders aus. Lange Rede, kurzer Sinn: Was „Scene“ heißt, wird auch die hiesige Szene früher oder später nachhaltig inspirieren. Wetten?

Szenewechsel. Einsam auf einem Hotelzimmer, die Glotze läuft. „Go-TV“, österreichisches Musikfernsehen. Wer so Ruhe findet vor Stürmen, wird auf musikalische Talente aufmerksam. Zum Beispiel auf die Band „British Sea Power“. Diese vier verrückten Jungs aus dem englischen Brighton bevorzugen es, Pflanzen mit auf die Bühne zu nehmen, wenn sie kräftig-melancholischen Power-Pop zelebrieren. Oder nennen wir es inspirierten Indie? Was es auch ist, es klingt wunderschön.

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