

So muss es im Schlaraffenland duften – nach deftiger, geräucherter, schmackhafter Wurst, würzigem Käse und frischem Fleisch. Einfach wunderbar. In der Wurstküche der Metzgerei Kuppinger ist der Boden frisch geschrubbt, die Edelstahlküche glänzt, der Verkaufsraum ist angenehm heruntergekühlt. Es ist Mittagspause. In eineinhalb Stunden öffnet der Laden wieder. Vater Hans und Sohn Hanspeter Kuppinger sehen in ihren schwarzen Kurzarm-Hemden und passenden Schürzen ebenso aufgeräumt aus, wie der gesamte Betrieb.
Bereits vor acht Jahren, im Jahr 2002, hat der Juniorchef gemeinsam mit seiner Frau Susanne das Geschäft seiner Eltern übernommen und führt es seither in dritter Generation fort – zur Freude von Hans und Renate Kuppinger.
Dass Hanspeter Kuppinger eines Tages den elterlichen Betrieb weiterführen würde, war für ihn „immer klar“, wie er sagt. „Schon in der Schulzeit habe ich geholfen“. Es folgte die Ausbildung in Stuttgart. „Dort hab ich auch meine Frau kennengelernt“, erzählt der 42-Jährige, der anschließend zwei Jahre in Betrieben am Bodensee, in Heilbronn sowie bei Freiburg arbeitete, bevor er 1991 ins Geschäft in Eutingen eingestiegen ist.
Vater Hans Kuppinger war seinerseits bei Sohn und Tochter hinterher, dass sie in fremden Betrieben lernen und anschließend einige Zeit aushäusig verbringen. „Der Umgang mit fremden Menschen formt einen Menschen und in anderen Betrieben sieht und lernt man andere Sachen, man kann sich besser entwickeln“, sagt der 70-jährige Seniorchef, der auch heute noch gerne und regelmäßig in der Metzgerei aushilft. Beständig hat sich der Betrieb in den vergangenen Jahren immer weiterentwickelt. Zwar gab es auch früher schon den Partyservice, jedoch wurden zu Anfang nur kalte Platten angeboten. Nach und nach kamen auch warme Speisen und andere Dinge hinzu. „Darum hat sich im Wesentlichen meine Frau Renate gekümmert“, so Hans Kuppinger.
Heute kümmert sich vor allem Schwiegertochter Susanne Kuppinger um diesen Bereich. Sie ist seit 19 Jahren fester Bestandteil des Familienbetriebs und hat sich problemlos eingefügt, wie der Seniorchef bestätigt. „Sie kannte Familienunternehmen bereits aus der eigenen Familie“, ergänzt ihr Mann Hanspeter. „Der Partyservice hat sich weiterentwickelt und ist größer geworden“, fügt er an. Da sei vor allem Flexibilität gefragt – eines der Attribute, die diesen Job so interessant machten. „Für mich ist mein Beruf mehr ein Hobby“, sagt er und setzt nach: Das sei auch nötig, wenn man selbstständig sei. Schließlich setze sich dieser Begriff aus zwei Worten zusammen: „Selbst und ständig“, feixt er. Das mag unter anderem auch einer der Gründe dafür sein, dass Hanspeter Kuppinger sich nicht mit dem Gedanken trägt, beispielsweise in der Pforzheimer Innenstadt einen weiteren Laden zu eröffnen. Er habe in jenem Betrieb in Friedrichshafen, in dem er nach seiner Ausbildung gearbeitet hat, gesehen, welche Herausforderung das sei. „Es ist sehr schwer gutes Personal zu bekommen, das einen solchen Laden dann für einen führt“, sagt er. Und zweiteilen kann der 42-Jährige sich nicht. Ein Wochentag sieht bei Kuppingers in der Regel so aus: Aufstehen um 4.30 Uhr. Start im Laden um fünf Uhr. Einräumen der Theke bis sieben Uhr. Zwischenzeitlich sind die Mitarbeiter eingetroffen.
24 Leute beschäftigen Kuppingers in ihrem Betrieb. Davon vier in der Wurstküche, zwei in der warmen Küche, vier in der kalten Küche, der Rest wird flexibel im Verkauf eingesetzt. Um 7.30 Uhr öffnet der Laden. Meist überpünktlich kommen dann die ersten Kunden. Sie kaufen Vesper ein, erledigen den Einkauf für den Tag. Als Unterschied zum Einkaufsverhalten der Menschen zu Hans Kuppingers Zeiten stellen er und sein Sohn deutlich fest: „Früher waren Freitag und Samstag die besten Verkaufstage. Heute kommen die Leute, wenn sie etwas brauchen“, sagt der Juniorchef. Auch der Einkauf selbst sei viel bewusster geworden. „Heute fliegt bei den Menschen weniger raus“, ergänzt sein Vater, der nach 38 Jahren Selbstständigkeit pünktlich zur Einführung des Euro an seinen Sohn übergeben hat. Auf eine neue Währung umstellen, „das wollte ich nicht auch noch machen“, sagt er im Rückblick. Doch er sei mit Leib und Seele selbstständig gewesen und habe vor allem die eigene Verantwortung geschätzt.
Hans Kuppinger hat das Geschäft seines Großvaters übernommen. Gegründet wurde die Metzgerei Kuppinger 1908 in Eutingen. Keiner der Söhne des Großvaters stieg in das Geschäft ein, doch Enkel Hans interessierte sich sehr für den Betrieb und wurde Metzgermeister. Auch er lernte außer Haus und arbeitete einige Zeit als Angestellter. Mit 25 Jahren zog es ihn schließlich zurück nach Hause. Für den Opa leider zu spät. „Er ist ein Jahr vorher gestorben“, erzählt Hans Kuppinger. Zwischenzeitlich sei der Betrieb verpachtet gewesen.
Dass es vermutlich keine vierte Generation Kuppinger geben wird, weil Hanspeter und Susanne Kuppingers Kinder – bislang – andere Ziele verfolgen, lässt Vater und Sohn mit zwiegespaltenen Gefühlen zurück. Vor allem Hanspeter Kuppinger sieht die immer höher werdenden Anforderungen und Vorschriften, die er bereits zu erfüllen hat. „Es muss einfach alles dokumentiert werden“, sagt er – um nur ein Beispiel zu nennen. Für einen kleineren Betrieb sei das irgendwann kaum noch zu bewerkstelligen. Sein Vater – und Großvater der vierten Generation – gibt dennoch nicht ganz die Hoffnung auf. Für ihn heißt die Devise „abwarten“ . Und in dieser Haltung blitzen sie durch: Ruhe und Gelassenheit.
Weil dies im Tagesgeschäft aber nicht immer zu realisieren ist, schaffen sich die Kuppingers Freiräume, die sie bewusst pflegen. Dann sind die „Alten“ für die „Jungen“ da. Denn eines mögen sie alle: Wandern in der freien Natur. Und wenn es dann noch gelingt, mit Freunden in geselliger Runde zusammenzusitzen, dann ist für die Kuppingers die Welt in Ordnung und die Mühen des Tages haben sich gelohnt.
Genießen können Kuppingers, sagen sie – wenn dann doch mal Feierabend sein sollte, alle Kunden versorgt und alle Parties beliefert sind. Besonders wählerisch in den Speisen sind Vater und Sohn am Ende des Tages nicht mehr. Sie essen so ziemlich alles gerne, sagen sie. „Hauptsache Wurst!“Yvonne Dast-Kunadt





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