





Die erste Fernfahrt der Welt mit einem Automobil endete in Pforzheim. Am Steuer saß eine Frau – die Pforzheimerin Bertha Benz. Ob ein Mann je angekommen wäre?
Pforzheim steht kopf. Diese Zeilen schrieb die erste Autofahrerin der Welt in einem Telegramm an ihren Mann. So verrät es eine Gedenktafel auf dem Leopoldsplatz. Und selbst heute, knapp 124Jahre nach der ersten Fernfahrt von Mannheim nach Pforzheim, erregt Bertha Benz Aufsehen, wenn sie am Leopoldsplatz auftaucht, wo sie im August 1888 mit dem Motor-Patentwagen ihres Ehemanns ankam. Die Leute bleiben stehen und drehen sich nach Bertha um – oder nach einer, die im Kostüm aus der Kleiderkammer des Pforzheimer Theaters auf ihren Spuren wandeln.
Überraschte Passanten auch beim Besuch der Straße, in der einst das Elternhaus der gebürtigen Pforzheimerin stand. Wo sie bei ihrer ersten Fahrt die Familie besuchte, reihen sich heute Geschäfte und Wohngebäude entlang der Berliner Straße. Die Benzstraße findet man in Pforzheim auch – allerdings im Rodgebiet. Die ist allerdings eher dem Erfinder Carl Benz gewidmet.
Überhaupt waren es im 19. Jahrhundert überwiegend Männer, die das nötige technische Verständnis mitbrachten. „Das Frauenbild war ein vollkommen anderes“, sagt Horst Frisch, Museumspädagoge der Stadt Pforzheim. Das weibliche Geschlecht habe sich um den Haushalt und die Kinderbetreuung gekümmert. „Bertha Benz hingegen war technisch sehr versiert.“ Und das war von Vorteil. Denn auf der Fahrt nach Pforzheim lief nicht alles rund. Doch Bertha Benz wusste sich bei Pannen zu helfen – mit Strumpfband und Hutnadel. „Mit der Hutnadel säuberte sie die verstopfte Benzinleitung“, erklärt Frisch. Das defekte Zündkabel habe sie mit ihrem Strumpfband isoliert. Da stellt sich doch die Frage, ob ein Mann ohne diese Utensilien überhaupt angekommen wäre. Soll noch einmal einer sagen: Frau am Steuer, Ungeheuer.
Auch das Spritproblem löste sie mit ihren Söhnen auf dem Weg Richtung Pforzheim. In Wiesloch kam die Stadt-Apotheke als erste Tankstelle der Welt dadurch zu Ruhm. Der Treibstoff nannte sich damals Ligroin. Wer jetzt aber denkt, der Sprit wurde dank Bertha und Carl Benz in Benzin umbenannt, liegt falsch. Der Name geht auf natürlich vorkommende Benzoe-Harze zurück, aus denen sich Benzol gewinnen lässt.
Und wo würde die Bertha Benz des 21.Jahrhunderts einsteigen? „Heute wäre die Autopionierin sicher Pionierin der Elektromobilität“, sagt Frank Wienands, Verkaufsleiter beim Pforzheimer Autohaus S&G Automobil AG. So zukunftsfähig wie einst der knatternde Motorenwagen sei der Elektro-Smart der Mercedes-Tochterfirma: „Damit würde Bertha Benz heute geräuschlos und emissionsfrei nach Pforzheim fahren.“ Und ganz nebenbei hat Frau mit dem kleinen Gefährt auch keine Einparkprobleme. Das hätte sicher auch Bertha Benz gefallen.
Autor: Miriam Fuchs und Anke Baumgärtel






Das lesen Abonnenten am Mittwoch in Ihrer "Pforzheimer Zeitung":





Leserkommentare (3)
Mehr KommentareWieder mal typisch Pforzheim. Es gibt keine Bertha-Benz-Straße, wo ihr Elternhaus lag. Ziemlich peinlich, immerhin ist die Bertha wohl die bekannteste Tochter unserer Stadt. mehr...
[QUOTE=Nachtigall;121429]Wieder mal typisch Pforzheim. Es gibt keine Bertha-Benz-Straße, wo ihr Elternhaus lag. Ziemlich peinlich, immerhin ist die Bertha wohl die bekannteste Tochter unserer Stadt.[/QUOTE] .. und die Stadt Pforzheim 'brüstet' sich noch damit, aber bekommt es nicht hin "Ihr" einen Straßennamen zuzuordnen. mehr...
Dafür hat unser Lieblings-Nazi Emil Strauß seine Straße. Das reicht doch. mehr...