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Heimat kurios: Eine Stadt, drei Flüsse

Pforzheim liegt an drei Flüssen. Sie spielten in der Stadt Geschichte eine große Rolle, waren wichtige Handelswege. Heute sind Enz, Nagold und Würm vor allem Orte der Erholung.

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Bildergalerie: Heimat kurios: Eine Stadt, drei Flüsse
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Was hat Pforzheim mit Augsburg, Passau und Bad Friedrichshall gemeinsam? Sie alle sind „Drei-Flüsse-Städte“. In der Goldstadt treffen Enz, Nagold und Würm aufeinander. Diese Konstellation ist nicht nur selten, sondern spielte in der Stadtgeschichte eine wichtige Rolle. Wer genau hinschaut, findet darauf im Stadtbild heute noch einige Hinweise.

Von den Anfängen an der Enz dehnte sich die Goldstadt im Laufe der Zeit bis zu Nagold und Würm aus. An die flüssige Vielfalt erinnert der Dreiflüssebrunnen – auch Dreitälerbrunnen genannt –, der seit 1935 im Blumenhof steht. Enz, Nagold und Würm werden hier von drei nackten jungen Mädchen symbolisiert. Die Figuren berühren einander – das Zusammenfließen der drei Gewässer. Für die Pforzheimer bedeuten die Bronzefiguren von Emil Salm jedoch noch mehr: „Nach dem Zweiten Weltkrieg ragten die drei Mädchenfiguren aus den Ruinen empor“, sagt der Pforzheimer Historiker Olaf W. Schulze. „Deshalb identifizieren sich viele mit dem Zierbrunnen.“

Ebenfalls recht abstrakt geht es an der Auerbrücke zu, wo die Nagold in die Enz fließt. Seit 1990 erinnert das Denkmal „Der Flößer“ an die wirtschaftliche Bedeutung der Flüsse. Zum Entsetzen mancher Pforzheimer allerdings ohne Arme, ohne Kleider und auch ohne typische Merkmale eines Flößers, wie Stiefel und Stangen. Ohne die wäre es kaum gegangen, als die kräftigen Männer etwa das Schwarzwaldholz in Richtung Norden transportierten. Einen konkreteren Eindruck von der Knochenarbeit vermittelt das Graffito an einer der Hauswände im Flößerviertel gegenüber der Stadtkirche. Ursprünglich sollte der Dreiflüssebrunnen hier aufgestellt werden – auf dem Lindenplatz. Doch in den 30er-Jahren fand man, dass Statuen nackter Mädchen vor Kirchen nichts verloren haben. „Die Flößerei hatte lange Zeit eine große wirtschaftliche Bedeutung für Pforzheim. So lange, bis die Eisenbahn kam und das Geschäft abnahm“, so Schulze.

Chance und Gefahr

So wichtig die Flüsse für Pforzheim waren – sie waren nie nur Chance, sondern bargen immer auch Gefahr. Brücken rissen ein, Menschen erkrankten in feuchten Wohnungen, Hochwasser bedrohten die Stadt. Erst nachdem die Flüsse kanalisiert und von hohen Ufermauern umgeben waren, war diese Gefahr gebannt. Seit 1912 gab es in Pforzheim kein Hochwasser mehr. Gleichzeitig wandte man den Blick mehr und mehr auf das Gewässer. So entstanden etwa die Arkaden des Melanchthon-Hauses oder das Emma-Jaeger-Bad.

Waren die Pforzheimer Flüsse früher Transportwege, dienen sie heute vorrangig der Freizeitgestaltung, insbesondere seit der Landesgartenschau in den Enzauen. Die Pforzheimer tummeln sich auf dem Waisenhausplatz, liegen am Stadtstrand oder fahren Tretboot.

Natürlich sind Bootsfahrten in den Drei-Flüsse-Städten keine Erfindung der vergnügungsbegeisterten Neuzeit. Ein 1000 Jahre altes Boot, das im Museum Archäologischer Schauplatz Kappelhof ausgestellt ist, belegt dies. Es wurde vor hundert Jahren bei Mauerarbeiten im Enzschlick gefunden. „Lange glaubte man, es handle sich um einen Fund aus Römerzeiten“, so Schulze. Doch das Boot entpuppte sich als mittelalterlicher Warentransporter.

Abwegig war die Römer-Vermutung indes keineswegs. Wer hinter der Altstädterkirche am Ufer entlangschlendert, stößt auf einen nachempfundenen ehemaligen Flussübergang, „die Furt durch die Enz, an der die Römer ihre Siedlung ,Port(us)‘ errichteten“, wie Schulze in seinem Buch „Pforzheim – ein verlorenes Stadtbild“ formuliert. Denn Pforzheim ist nicht nur Flussstadt, sondern war damit zugleich auch Hafenstadt. Sie trägt diese Rolle sogar in ihrem Namen. „Portus heißt nichts anderes als Hafen“, sagt der Historiker. Wem das angesichts des ungleich präsenteren Schwarzwalds merkwürdig scheint, der findet sich in bester Gesellschaft wieder. Der Pforzheimer Humanist Melanchthon interpretierte den Stadtnamen einst als Porta Hercyniae – Pforte zum Schwarzwald. Das stimmt zwar, „doch der Name Pforzheim stammt nicht von Pforte“, sagt Schulze. Eine archäologische Entdeckung brachte Klarheit. Bei Friolzheim wurde 1934 ein römischer Meilenstein aus dem Jahr 245 nach Christus gefunden, der dem Reisenden den Weg zum „Port“ weist. Die auf dem Meilenstein angegebene Entfernung entspricht exakt der Distanz zur römischen Hafenstelle. Damit ist Pforzheim eine waschechte Hafenstadt – am Rande des Schwarzwalds.

Autor: Anke Baumgärtelund Stefan Dworschak | Pforzheim

01.07.2012

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