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Heimat kurios: Wo sind die Turner vom Turnplatz hin?

Pforzheim. Auf dem Turnplatz parken Autos und bieten Markthändler ihre Waren feil. Doch woher kommt der sportliche Name? Auf Spurensuche nach den Anfängen des Vereinsturnens in Pforzheim.

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Autos, nichts als Autos. Und gelegentlich Marktstände. Doch kein Sportler weit und breit, keine Seilspringer, Barrenturner oder Flickflack schlagende Athleten – von Olympiasilber-Gewinner Marcel Nguyen ganz zu schweigen. Nein, der Name des Turnplatzes zwischen Jahn-, Kaiser-Friedrich-Straße und Enz erklärt sich wahrlich nicht von selbst. Und auch die Probe aufs Exempel zeigt: Parkautomaten und Stromkästen eignen sich nur bedingt zur körperlichen Ertüchtigung.

Bildergalerie: Heimat kurios: Spurensuche auf dem Turnplatz ohne Turner
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Doch die asphaltierte Fläche, die anno 2012 als Parkplatz daherkommt, war einst der Dreh- und Angelpunkt des Turnerlebens der Goldstadt. 1862 wurde für den für den Turnverein 1834 Pforzheim der dort liegende Weiher eingeebnet, an den „Weiherberg“ und „Weiherstraße“ heute noch erinnern. Das bedeutete zwar den Schluss des allabendlichen Froschkonzerts, von dem Festschriften des TVP berichten, ermöglichte aber 1863 den Bau der Turnhalle.

Bis Oktober 1937 nahmen die Sportler den Platz auch dem Namen nach in Beschlag – bis er zur Zeit des Nationalsozialismus nach einem Gemeinderatsbeschluss in „Platz der SA“ umbenannt wurde. Geturnt wurde in der Turnhalle und auf dem angrenzenden Spielfeld noch bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges. Dann setzte der Krieg erst den Leibesübungen und der Luftangriff am 23. Februar 1945 auch der Turnhalle selbst ein Ende.

Ein Olympiasieger an den Geräten

149 Jahre nach dem Hallenbau gestaltet sich die Suche nach turnerischen Spuren schwierig – und endet ernüchternd: Auf den einen Schildern wird der Wochenmarkt angekündigt, auf anderen die Parkordnung erklärt. Der Turnplatz findet dagegen nur auf der nahestehenden Bushaltestelle Erwähnung.

Doch auch wenn heute weder Reck noch Barren auf dem recht tristen Gelände an der Enz stehen, ist sich der Turnsport treu geblieben: Viele Geräte, auf denen Marcel Nguyen nun zu olympischem Silber turnte, unterscheiden sich kaum von denen, die der TVP im 19.Jahrhundert sein Eigen nannte: Neben anderen zählte der Verein einst „zwei Recks, zwei Barren, ein Pferd“ als Geräte bei seiner Gründung auf – zum olympischen Mehrkampf fehlten da nur noch (Hallen-)Boden, Sprung und Ringe.

Diese sechs Geräte waren es auch, die einst kaum einer so gut beherrschte wie die Turnlegende Alfred Schwarzmann: 1934 zeigte er sein Können mit der Deutschlandriege im Pforzheimer Saalbau, zwei Jahre später holte er in Berlin olympisches Gold – und heiratete zwei weitere Jahre später eine Pforzheimerin.

Eher rußpartikel- als goldmedaillenverdächtig sind hingegen die Autos, die inzwischen Tag für Tag den traditionsreichen Platz bevölkern. Zumindest gesünder sind da die Waren der 60 Marktbeschicker, die hier seit 1927 mittwochs und samstags feilgeboten werden. Doch auch wenn das Kistenschleppen ziemlich in die Arme geht: So richtig sportlich ist auch die Mischung aus Früchten, Tratsch und Gemüse nicht.

Wäre es nach dem verstorbenen Pforzheimer Oberturner Erich Wentz (1910 – 1998) gegangen, würde der Turnplatz heute ganz anders aussehen. Der einstige SPD-Stadtrat setzte sich nach dem Krieg für einen Neubau der Halle ein. „Bei jedem Oberbürgermeister ist er damit vorstellig geworden“, beschreibt es der heutige Schriftführer und frühere Präsident des TVPforzheim, Manfred Forster. Doch das sei „im Sande verlaufen“. Oder wie es Theo Alt in der 150-jährigen Chronik des TVP beschreibt: „Ein Erfolg blieb ihm leider wegen der Kleinmütigkeit einiger Mitglieder und wegen des versteckten und offenen Widerstandes außerhalb des Vereins versagt.“

Der Turnerbewegung in der Region schadete das „Nein“ der Stadt zwar nicht: Bis heute werden zahlreiche Turn-Asse bei den Turnvereinen in Pforzheim und dem Enzkreis ausgebildet. Doch wenn Stromkasten-Dehnen, Parkautomaten-Weitwurf und Auto-Springen nicht olympisch werden, werden am Turnplatz vorerst keine Medaillengewinner mehr durch die Goldstadt turnen.

Autor: Stefan Dworschak und Simon Walter

04.08.2012

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