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07.06.2008

Huberths Welt vom 07.06.08

Ich war acht, als ich verkündete, niemals heiraten zu wollen, weil Mädchen alle blöde seien. Ich war 19, die erste große Liebe hatte sich in mein Leben geschlichen, als ich meine guten, elf Jahre zuvor gefassten Vorsätze über Bord warf und mir vorstellen konnte, die junge Dame an meiner Seite eines Tages zu ehelichen. Dazu kam es nicht, denn ich war 22, als jene erste große Liebe zerbrach wie ein auf dem Boden zerschellender Sektkelch und ich den Frauen abschwor. Der Ehe ohnehin. Zumindest den Anti-Ehe-Schwur hielt ich. Ziemlich lange jedenfalls.

Denn ich war 35, als ich heiratete. Das ist nun vier Wochen her, mittlerweile bin ich 36, ein alter Hase im Eheleben, der gelassen auf den großen Tag zurückblicken kann.

Der große Tag begann, wie alle großen Tage, bereits am Tag zuvor, der auch irgendwie groß war, wenn auch nicht ganz so groß, wie der echte große Tag, falls Sie wissen, was ich meine.

An jenem Tag zuvor, einem Freitag, hatte ich Urlaub. Ich nutzte den Vormittag, um Getränke zu kaufen und Bänke zu schleppen. Den Nachmittag nutzte ich, um auf dem Klo zu sitzen, von hinterrücks zuschlagenden Durchfallattacken geplagt. Und nein, es war nicht die Aufregung, die mich viel Zeit in der Toilette zubringen ließ, sondern ein mieser Virus, der mir die Hochzeit vermasseln wollte.

Gegen Abend verließ ich die Toilette und setzte mich an den Computer, um im Internet auf www.maennerseiten.de Hilfe zu suchen. Ich weiß nämlich immer noch nicht, wie man eine Krawatte stilvoll bindet. Also saß ich vor dem Monitor, eine Krawatte um den Hals gelegt und verzweifelt bemüht, den kleinen Erklärbildchen zu folgen. Es gelang nur mit zweifelhaftem Erfolg. Der Knoten ließ sich zwar knoten, sah aber leidlich schief aus. Zu schief für den großen Tag, wie Aurélie befand.

Und so ging ich schlafen, körperlich geschwächt und ohne geraden Krawattenknoten.

Am großen Tag wachte ich auf und die Sonne schien. Toni war ungnädig, als wir sie weckten, Aurélie im Stress und ich im Weg. Also setzte ich mich in die Küche, frühstückte in Ruhe, ließ meine beiden Damen zetern und wartete auf meine Eltern, die bald kamen.

Mein Vater band mir die Krawatte, der Knoten saß nun gerade, der Anzug passte, die Sonne schien immer noch und Aurélie sah bezaubernd aus in ihrem Kleid. Wir fuhren zum Standesamt, dort schien die Sonne, verschiedene Brautpaare samt Anhang feierten das eben gegebene Ja-Wort oder warteten darauf, Einlass zu finden. Wir warteten auch, umgeben von der kleinen, aber feinen Entourage, die wir zur Feier des Tages eingeladen hatten.

Zehn Minuten später saßen wir im Trauzimmer. Die Standesbeamtin sagte schöne, nachdenkliche Dinge, wir waren gerührt, die anderen Gäste auch, vielleicht abgesehen von den Kindern. Kinder finden solche Reden immer langweilig und beschließen in Momenten wie diesen, niemals heiraten zu wollen.

Schließlich kam der große Moment am großen Tag, wir standen auf und bekamen die Frage aller Fragen gestellt. Ob wir denn tatsächlich die Ehe eingehen wollen?

„Ja“, sagte ich.

„Ja“, sagte Aurélie.

Und da hatte ich eine Ehefrau. Und eine Stieftochter.

Und keinen Durchfall mehr.