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15.03.2008

Huberths Welt vom 15.03.08

Es ist an der Zeit, Dank zu sagen. Dank für die Marmorkuchen-Rezepte, die in die Redaktion geflattert sind, Dank auch für jenes prächtige Backwerk, das mir ein nettes Wesen anonym bereitgestellt hat. Ein mächtiger Kuchen war das. Mächtig, aber lecker.

Hervorheben möchte ich an dieser Stelle Gisela N. Sie war so freundlich, mir nicht nur ein, nicht nur zwei, nicht nur drei Rezepte zu schicken. Nein, sieben auf einen Streich sandte sie mir zu. Das ist gut, denn so ist Aurélie beschäftigt und ich werde satt.

Wenn Sie nun jedoch wissen wollen, wie brauchbar die einzelnen Back-Anleitungen sind, wie wohlschmeckend die Resultate teigigen Schaffens aus dem Ofen kommen, dann muss ich Sie enttäuschen. Aurélie kann derzeit nicht backen, sie ist im Landschulheim.

Landschulheimaufenthalte sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Unsereins weilte in Schülerjahren im Schwarzwald, bestenfalls im Allgäu oder am Chiemsee. Dort stromerten wir durch Wälder und stapften durch kleine Bächlein auf der Suche nach Flusskrebslarven, die wir wissbegierig untersuchten. Wir tobten durchs Geäst, machten uns gegenseitig bei Wasserbombenschlachten nass und schraken anlässlich einer Nachtwanderung bei jedem noch so kleinen Geräusch zusammen.

Bei dieser Gelegenheit lief ich erstmals Händchen haltend mit einer jungen Dame einher. Sie hieß Susi, und ich war verknallt. Heute kann man 13-Jährige mit Nachtwanderungen und Händchenhalten längst nicht mehr begeistern. Wer im abendlichen Großstadttaumel versiert ist, Schlägereien beiwohnt, Sex konsumiert wie andere Cola, der wird sich von ein paar knackenden Ästen und verschränkten Fingern kaum beeindrucken lassen.

Und deshalb weilt Aurélie mit ihrer Klasse zum Zwecke des Landschulheim-Aufenthalts nicht in freier Natur, sondern mitten in München, inklusive Besuch eines Trainings des FC Bayern. Schlimm.

Aurélie hat sich auf die Reise gut vorbereitet. Das ist wichtig, denn noch ist März und da kann es empfindlich kalt sein in der Hauptstadt aller Bayern. Kälte ist etwas, was Aurélie aus tiefster Seele verabscheut. Und so zog sie vor der Abfahrt los, sich gegen drohenden Frost zu wappnen.
Sie kaufte lange Unterhosen und eine Fleece-Jacke. Vor allem aber kaufte sie einen Reisewasserkocher. Ich wusste nicht einmal, dass es so etwas gibt. Das Ding ist winzig, fasst nur ein paar Tropfen und sieht aus wie eine zu groß geratene Schnabeltasse.

„Wozu brauchst du den?“, fragte ich.

„Um Wasser zu kochen?“ Aurélie sah mich an, als lebe ich auf einem anderen Stern.

„Was willst du mit gekochtem Wasser?“

„Du kannst echt blöde Fragen stellen. Meine Wärmflasche füllen, was sonst?“

Stimmt, das hätte ich wissen müssen. Vergangenen Sommer waren wir auf Kos. Dort ist es heiß, sehr heiß. Aurélie wollte trotzdem unbedingt die Wärmflasche mitnehmen. Ich habe sie nur unter größter Mühe davon abhalten können. Diesmal hatte ich keine Chance. Und ich fürchte, wenn es im Sommer wieder in den Süden geht, sind Reisewasserkocher und Wärmflasche mit an Bord.

Und ich muss sie schleppen.