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22.03.2008

Huberths Welt vom 22.03.08

Die Sache mit den Ostereiern ist ziemlich rätselhaft. Mal ehrlich, auf den ersten Blick ist es doch seltsam, dass wir einmal im Jahr durch eine Welt buntgefärbter Eier taumeln.

Das mit den Eiern ist natürlich eine vielschichtige Angelegenheit, es gibt ein ganzes 100-Liter-Fass voller zusammenhängender Antworten und möglicher Lösungen. Deshalb beschränke ich mich auf das Wesentliche: Während der 40-tägigen Fastenzeit war der Genuss von Fleisch verboten, Eier wiederum galten als flüssiges Fleisch. Das war den Hühnern nun reichlich egal, sie lachten, legten weiterhin jeden Tag ein Ei und sonntags auch mal zwei. Nur – was tun mit den Dingern? Werden ja schlecht mit der Zeit.

Also kochte die schlaue Hausfrau die ovalen Leckereien ab, um sie haltbar zu machen. Blöd nur, dass ein gekochtes Ei rein äußerlich von einem rohen Ei nicht zu unterscheiden ist, jedenfalls nicht nach erfolgter Abkühlung. Was die schlaue Hausfrau vor knapp 500 Jahren wiederum dazu brachte, die gekochten Eier mit Hilfe von Pflanzenteilen zu färben.
Das wäre also auch geklärt.

Was Sie nicht wissen, ist, dass ich mit der sonntäglichen Eiersuche ein Trauma verbinde, das mich seit meiner frühesten Kindheit verfolgt. Ich war mit meinen Eltern im Wald spazieren, vielleicht fünf Jahre alt, ein blondgelockter Knabe, schmal, fröhlich umherhüpfend. Es war Ostersonntag, ich hatte bereits meine Geschenke entdeckt, unter anderem einen riesigen Stoffhasen, den ich auch auf der Wanderung mit mir herumschleppte.

Der Hase und ich plauderten gerade miteinander, als mein Vater mich freundlicherweise darauf aufmerksam machte, dass er am Wegesrand, unter einem grünen Blatte, etwas habe glitzern sehen. Ich sprang sofort herbei, bückte mich und klaubte mit meinen schwitzigen Händchen ein kleines Schokoladenei auf.

„Hurra“, riefen der Hase und ich. Weil der Hase aber so groß und meine Hände so klein waren, gab ich das Ei treuhänderisch in die Obhut meiner Eltern, die es sorgfältig aufbewahren sollten. Fortan hielt ich die Augen offen, denn mir dämmerte, dass der Osterhase auf seiner Reise zu den Kindern vielleicht ahnte, dass ich bald des Weges kommen würde und er mir deshalb die eine oder andere zusätzliche Gabe hinterlassen hatte.

Und tatsächlich, ich fand Ei um Ei, den ganzen langen Spaziergang über. Ich reichte alle meinen Eltern, damit die Hände frei waren für den nächsten Fund. So ging es den ganzen Vormittag und ich war ein glücklicher Bub mit einem Hasen und jeder Menge Ostereier.

Als ich Jahre später die Begebenheit in kleiner Runde und in Anwesenheit meiner Eltern zum Besten gab, in seliger Erinnerung an jenen glücklichen Tag, begann mein Vater lauthals zu lachen. Und dann offenbarte er mir, dass ich nicht Hunderte von Schoko-Eiern, sondern nur ein Dutzend gesammelt hatte. Nämlich immer dieselben. Jedes Ei, das ich meinen Eltern übergeben hatte, haben die erneut versteckt und mich so bei Laune gehalten.

Seither fühle ich mich betrogen. Wenn ich mich wenigstens rehabilitieren könnte, indem ich Toni den gleichen Streich spiele. Aber die ist leider zu schlau. Anders als ich.