

In Huchenfeld, so scheint es, ist die Welt noch in Ordnung. Wie 4400 Huchenfelder denken und handeln, erklärt Ortsvorsteher Heinrich Bayer, der seit 26 Jahren den Höhenstadtteil leitet, der PZ-Redakteurin Dorothee Messmer.
Pforzheimer Zeitung: Herr Bayer, Sie sind seit 26 Jahren hauptamtlicher Ortsvorsteher in Huchenfeld. Wie würden Sie den typischen Huchenfelder charakterisieren?
Heinrich Bayer: Der Huchenfelder ist bodenständig, ehrlich und zuverlässig. Bei Neuankömmlingen ist er oft zunächst erst einmal misstrauisch. Aber wenn er Freundschaften geschlossen habe, dann sind diese dauerhaft. Die Huchenfelder sind auch sehr verbunden mit ihrer Gemeinde. Und wenn man sie braucht, dann sind sie da. Das ist das, was mich fasziniert.
PZ: Warum ist Huchenfeld für Neubürger attraktiv?
Bayer: Ich denke, gerade für Neubürger, die Kinder haben, die in die Schule gehen und das große Angebot der Vereine nutzen, ist Huchenfeld attraktiv. Neubürger integrieren sich bei uns schnell. Es gibt viele, die ihr Haus hier gebaut und ihre Heimat hier gefunden haben. Da haben wir ganz tolle Leute bekommen.
PZ: Was sind für Sie die Wohlfühlelemente in Huchenfeld?
Bayer: Wir sind zwar ein Stadtteil von Pforzheim, aber wir sind trotzdem Dorf geblieben. Wir wollen auch den alten Ortskern erhalten, und die Leute schätzen es, wenn sie kurze Wege zum Einkaufen haben und zu den Vereinen. Wir haben auch eine tolle ärztliche Versorgung. Aber auf der anderen Seite sind sie in zehn Minuten in der Innenstadt von Pforzheim, und genauso schnell sind sie wieder draußen. Außerdem haben wir ein tolles Naherholungsgebiet.
PZ: Ist Huchenfeld in den vergangenen Jahren gewachsen?
Bayer: Im vergangenen Jahr ist Huchenfeld zum ersten Mal geschrumpft. In den Jahren davor haben wir als Ortsteil immer zugelegt. Wir haben zwei neue Baugebiete erschlossen. Da gibt es noch viele unbebaute Flächen. Wir haben zudem noch das Neubaugebiet „Binne“. Da besteht eine starke Nachfrage, da die Stadt ein Förderprogramm für junge Familien aufgelegt hat. Insgesamt gibt es in Binne 100 Bauplätze, etwa ein Viertel davon werden städtische sein. Wenn man dort gebaut hat, hat man einen wunderschönen Blick auf Huchenfeld und auf der anderen Seite auf den Wald.
PZ: Eine Gemeinde lebt nicht nur von Wohngebieten, sondern auch vom Gewerbe. Wie wollen Sie weitere Gewerbetreibende gewinnen?
Bayer: Da sind wir dabei. Wir erschließen gerade die „Obere Hard“. Dabei handelt es sich um das Gebiet nördlich der Firma ,Crane‘ . Wir sehen es als eine Abrundung für unser Gewerbgebiet. In Huchenfeld haben wir ein ausgeprägtes Handwerk. Wir haben die Handwerker vor Jahren wieder zusammengeführt, gerade durch die Gewerbeschau. Was uns abgeht, das sind größere Betriebe mit 200 bis 300 Mitarbeitern. Was mich allerdings bedrückt, ist die innerörtliche Struktur. Ich habe mir immer gewünscht, dass der eine oder andere Laden noch in die Ortsmitte kommt.
PZ: Aber Sie konnten die Infrastruktur des Ortes erhalten. Das ist doch auch von Vorteil?
Bayer: Das stimmt, wir sind hier top versorgt. Mit einer Supermarkt-Kette, die jetzt auf 1700 Quadratmeter erweitert und einem Lebensmittel-Discounter, der neu gebaut werden soll. Wir wünschen uns außerdem, dass in das alte Gebäude des Lebensmittel-Discounters wieder etwas Neues reinkommen soll. Da sind wir gerade in Gesprächen mit der Wirtschaftsförderung. Wir könnten uns da einiges vorstellen. Unsere Wünsche können wir äußern, was da letztlich daraus wird, wird man sehen. Es ist auch die Anfrage da, nach einem kleinen Gartencenter. Huchenfeld entwickelt sich immer mehr zu einem Vor-Ortszentrum. Auch in Verbindung mit den Ortsteilen Hohenwart und Würm. Die Schüler aus diesen Ortsteilen gehen ja auch hier in die Schule.
PZ: Huchenfeld zu diesem Vor-Ortszentrum aufzubauen, da gehört aber auch Kampfgeist dazu. Ist das ein Kennzeichen der Huchenfelder?
Bayer: Wir haben hier schon einen gewissen Kampfgeist. Einrichtungen, die wir geschaffen haben, um die kämpfen wir. Schließungen, das wird der Herr Bayer nicht zulassen, die Ortschaftsräte und die Huchenfelder nicht.
PZ: Was wünschen Sie sich von den Huchenfeldern?
Bayer: Da gibt es nicht mehr viel zu wünschen. Die Bürger bringen sich stark mit bürgerschaftlichem Engagement in den Vereinen und im Ehrenamt ein. Ich denke, der Bürger merkt, dass Engagement vom Rathaus vorgelebt wird. Auch die Partnerschaft mit Wales ist für mich eine tolle Sache. Das ist das Highlight meines Berufslebens, das ich das so miterleben durfte. Der Mann, dessen Kamerad hier erschossen wurde, ist heute einer meiner besten Freunde. Wir sind ständig in Kontakt. Bei uns stand immer die Versöhnungsarbeit im Vordergrund. Die Stadt hat es uns erlaubt, diese Partnerschaft einzugehen, allerdings ohne städtische Unterstützung. Da hat es viele gegeben, die gespendet haben.
PZ: Wenn Sie sich Huchenfeld in zehn Jahren vorstellen, wie sieht der Stadtteil dann aus?
Bayer: Die Bevölkerungsprognose für Huchenfeld sieht so aus, dass wird in zehn Jahren so bei 4800 bis 5000 Einwohnern einpendeln werden. Das ist ausreichend. Ganz wichtig ist, dass wir unsere Naherholungsgebiete erhalten. Ich wünsche mir zudem , dass wir eine Umgehungsstraße erhalten. Ein Teil der Umgehung ist ja bereits vorhanden. Außerdem würde ich mir wünschen, dass wir unsere dörflichen Strukturen erhalten können.





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