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23.09.2008

IG Metall fordert acht Prozent mehr Lohn

Hätte jemand geglaubt, dass die IG Metall eine Lohnerhöhung einfordert, die den Arbeitgebern gefällt? Wohl nicht. Nirgendwo sonst gehört das Klappern zum Handwerk wie bei Tarifkonflikten – insbesondere in der Metallbranche. IG-Metall-Chef Huber und Arbeitgeber-Führer Kannegießer machen nichts weiter als ihren Job, indem sie dem Gegenüber reflexhaft Realitätsferne und Ignoranz vorwerfen.

Wie gut sie ihre Arbeit machen, wird sich aber erst noch zeigen, und zwar dann, wenn das Ergebnis des tarifpolitischen Fingerhakelns auf dem Tisch liegt. Schon jetzt aber ist klar: Es wird deutlich unter den von der Gewerkschaft geforderten acht Prozent liegen.

Acht Prozent wären auch zu viel des Guten. Angesichts der schwächelnden Konjunktur und dem zu erwarteten gesamtwirtschaftlichen Abschwung wäre eine derartige Lohnerhöhung fatal. Dass die Forderung der IG Metall zu hoch gegriffen ist, zeigt sich schon allein daran, dass die Gewerkschaft in der vergangenen Tarifrunde, als die Metallbranche boomte, lediglich 6,5 Prozent mehr Geld verlangte und Stufen von 4,1 und 1,7 Prozent durchsetzte.

Ignoriert wird bei der IG Metall wohl auch, dass die Unternehmer ihre Gewinne nicht einfach so eingestrichen haben, sondern auch – insbesondere in den mittelständischen Betrieben – kräftig reinvestiert haben. Vor allem Arbeitslose haben davon profitierten. Hunderttausende Jobs sind in den vergangenen Jahren in der Metallbranche entstanden.

Gleichzeitig aber muss den Arbeitgebern klar sein, dass sie auch und gerade mit Blick auf die zuletzt erzielten Rekordgewinne sehr wohl eine Verantwortung gegenüber der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung tragen. Wer meint, das Heil in andauerndem Reallohnverlust der Arbeitnehmer zu suchen, braucht sich nicht zu wundern, wenn die Binnenkonjunktur vor sich hin dümpelt.