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Da weiß der Bauer gleich Bescheid: Kühe können jetzt SMS schicken, wenn sie bereit zur Besamung sind. © Dietz
06.06.2013

IT After Work: Von SMS-sendenden Kühen und unromantischen Kussmaschinen

Kühe geben Milch und werben, wenn sie lila sind, für Schokolade. Moderne Kühe können aber auch SMS verschicken. Wie das geht und wozu diese Art von Technik gut sein soll, hat Sascha Wolter, Entwickler und Berater bei Telekom, auf der Veranstaltung „IT After Work“ im Konsumat Pforzheim erklärt.

Bildergalerie: IT After Work mit Developer Evangelist Sascha Wolter

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SMS-sendende Kühe und Kussmaschinen: Kommen Sie bei all dem technologischen Fortschritt überhaupt noch mit?

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Kühe müssen, um Milch geben zu können, auch kalben. Um die kurze Empfängnisbereitschaft der Tiere schnell und exakt messen zu können, pflanzt man ihnen ein Vaginalthermometer ein, das bei der richtigen Temperatur über einen eingebauten Chip eine SMS an den Landwirt, den Tierarzt und – sofern erwünscht – an den Besitzer des Bullen sendet. So wird die Kuh innerhalb kürzester Zeit besamt. Das nennt sich M2M-Technologie, Maschine-mit-Maschine-Kommunikation, die Menschen und Tiere einschließt. Der wirtschaftliche Nutzen für Landwirte ist hoch, da Kühe so bis zu eineinhalb Monate mehr Milch im Jahr geben können.

Mit solchen zunächst irrwitzig erscheinenden Ideen beschäftigt sich der 40-jährige Entwickler Sascha Wolter höchst ernsthaft. Er vermittelt in seinem Vortrag, wie aus Ideen, die zunächst unnütz erscheinen, zukunftsweisende und wirtschaftlich nützliche Projekte werden.

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Auch menschliche Bedürfnisse werden mit den neuen Technologien bedient: Mit der Kussmaschine kann man jetzt auch mit der Liebsten in Übersee knutschen. Bei der Benutzung darf man sich allerdings nicht daran stören, mit der Zunge an einem Plastikrohr herumzuspielen. Dieses Röhrchen überträgt dann die Bewegungen eines Zungenkusses. Lustig finden es die einen, absurd und unromantisch die anderen.

Etwas simpler ist da schon die Möglichkeit, während der eigenen Abwesenheit die Matratzenbewegungen im heimischen Schlafzimmer zu überwachen. Bewegungssensoren übermitteln verdächtige Entwicklungen, gleichzeitig wird eine SMS verschickt. Dann muss man sich nur noch entscheiden, ob man dem Smartphone vertraut oder besser nachschaut. Könnte ja sein, die Kids tollen auf dem Bett herum. Diese technologischen Spielereien würden sicher keine Erfolgsschlager, aber die Technik sei großartig, erklärt Wolter. Man müsse sie als Prototypen sehen, mit denen man neue, vielleicht sinnvollere Szenarien entwickeln könne. Außerdem wird es laut dem 40-Jährigen wichtig sein, Kunden einen weiteren Nutzen zu bieten.

Ab 2015 werden zum Beispiel allen neu zugelassenen Autos sogenannte „E-Calls“ - quasi Telefonkarten – eingebaut. Damit wird bei einem Unfall ein Notruf gesendet. Diese Technik können schlaue Automobilhersteller nutzen, um den Kunden einen Mehrwert anzubieten, meint Wolter. Zum Beispiel auf das Auto zugeschnittene Apps, die man dann auch direkt herunterladen kann.

Fazit des Ganzen: „Der technologische Fortschritt ist da, jetzt müssen wir ihn auch sinnvoll nutzen“, sagt der 40-Jährige. Und das gehe eben oftmals über irrwitzige Prototypen wie die Kussmaschine. Die seien günstig und grobe Fehler entdecke man sofort. Wolter vergleicht seine Arbeit mit dem spielerischen Verhalten seines Sohnes: „Der Kleine träumt von Raumschiffen und baut sich eines aus Legosteinen. Dann erkennt er: Da fehlt doch etwas. Und er baut Lichter an. So geht das immer weiter. Schritt für Schritt zum Ziel.“