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10.03.2011

Im Osten neue Milliardäre: Asien zieht bei „Forbes“ an Europa vorbei

NEW YORK. Bislang war das Bild klar: In den USA gibt es die Superreichen, in Europa auch ein paar - der Rest ist Dritte Welt. Dass viele frühere Entwicklungsländer rasant aufgeholt haben, hat sich zwar in den vergangenen Jahren herumgesprochen. Doch die neue „Forbes“-Liste der Milliardäre zeigt: Indien, China, Brasilien und Russland kommen nicht - sie sind schon längst da.

Jedes Jahr veröffentlicht der New Yorker Steve Forbes in seinem Wirtschaftsmagazin die Liste der Superreichen dieser Welt - basierend auf Recherchen und Schätzungen. Mehr als 1200 sind es in diesem Jahr, so viele wie noch nie. Doch es gibt Verschiebungen, über die Forbes selbst staunt: „Vor zehn Jahren kam die Hälfte der Milliardäre aus den USA, heute ist es noch ein Drittel.“ Asien habe nun mehr Milliardäre (332) als Europa (300). Und die Hauptstadt der Superreichen ist nicht mehr New York, sondern Moskau (79).

Noch lebt jeder dritte Milliardär in den USA. Aber China mit 115 und Russland mit 101 Superreichen holen kräftig auf. Und der Reichste aller Reichen ist im zweiten Jahr in Folge kein US-Amerikaner, sondern der mexikanische Telekom-Tycoon Carlos Slim Helú. „Und es war nicht einmal knapp“, sagt Forbes. Denn lag der Mexikaner im letzten Jahr nur knapp vor Microsoft-Gründer Bill Gates und Investmentkünstler Warren Buffett, so trennen ihn von den beiden anderen heute mit 74 Milliarden Dollar (53 Milliarden Euro) fast 20 Milliarden. Das liegt allerdings auch daran, dass Gates und Buffett ständig Milliarden spenden.

In den Top Ten ist kein Deutscher, dafür gleich vier aus Ländern, die man gemeinhin als Schwellenländer bezeichnete, etwa Indien und Brasilien. „Der Trend ist klar“, betont Forbes: „Brasilien hatte im letzten Jahr 18 Milliardäre, heute sind es 30. Russland: von 62 auf 101. In China waren es 69, jetzt sind es 115. In Indonesien hat sich die Zahl auf 14 verdoppelt und auch in der Türkei sind es mehr geworden.“

Und Europa? Ein Plus ist zwar zu erkennen, aber das geht fast ausschließlich an Russland. Der größte Verlierer ist ein Schwede mit Wohnsitz in der Schweiz: Ikea-Gründer Ingvar Kamprad verlor etwa ein Viertel seines Vermögens und kam noch auf 17 Milliarden. Auch viele Deutsche haben weniger Milliarden. Unter den ersten zehn ist keiner mehr. Aldi-Gründer Karl Albrecht, der im Vorjahr noch gerade in der Top Ten war, kommt jetzt mit geschätzten 25,5 Milliarden Dollar noch auf Platz zwölf. „Deutschland ist eine der größten Wirtschaften der Welt mit einem tollen Wachstum“, analysiert Forbes. „Aber Milliardäre werden woanders gemacht.“

Eine Wirtschaftsmacht habe aber noch mehr enttäuscht: „Der Hund, der nicht bellt, ist Japan“, sagt Forbes. Vor 20 Jahren habe man von den Japanern noch die ökonomische Weltherrschaft erwartet, heute sei das Land ein großer, aber ernüchterter Spieler in der Wirtschaft. Auch das boomende Indien habe verloren und statt 94 nur noch 55 Milliardäre. „Aber dafür ist deren Wirtschaft breiter aufgestellt. Sie sind damit auch krisenfester.“ Denn der Aufschwung in China und Russland sei ein Produkt des weltweiten Aufschwungs und stehe auf tönernen Füßen. „Der Einbruch wird kommen. Wir wissen nicht wann, wir wissen nicht, wie stark. Aber er wird kommen.“