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21.12.2008

Image-Schaden für die Bahn

Die Bahn hat offenbar ein Problem mit ihren Zugbegleitern: Ein Skandal jagt den andern und immer geht es dabei um unmenschliche und dem gesunden Menschenverstand widersprechende Verhaltensweisen. Alles nur Einzelfälle? Wohl kaum. Die Häufung lässt vermuten, dass das Fehlverhalten System hat.

Die Bahn sei fahrgast- und touristenfeindlich, polterte der Fahrgastverband Pro Bahn gestern. Und keineswegs ohne Grund. Laut Pro Bahn hat die Bahn seit dem vergangenen Jahr das Zugpersonal systematisch zur Jagd auf Schwarzfahrer angesetzt. Schaffner dürften keine Fahrkarten mehr verkaufen oder abstempeln. Wenn sie es trotzdem täten, drohten ihnen Schwierigkeiten bis hin zur Entlassung. Die tatsächlichen Übeltäter sitzen also in der Vorstandsetage – nicht im Zug.

Eins ist klar: Bei den Fahrgästen – auch bei den zahlenden – kommt solch rigoroses Auftreten ganz schlecht an. Nachrichten wie die gestrige richten in Form von mieser Publicity somit mehr Schaden an als das Schwarzfahrer-Problem. Letzteres ließe sich wohl sowieso viel besser mit einem Mehr an Service bekämpfen: Anstatt Schalter zu schließen und Fahrgäste auf langsame, komplizierte und häufig nicht funktionierende Ticketautomaten zu verweisen, wäre ein Zugehen auf die Kunden angebracht. So mancher unfreiwillige Schwarzfahrer zumindest wäre damit bestimmt zu vermeiden.