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Ja, ich kann:  Gert Hager sieht sich als Macher und Mittler.
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Interview mit Gert Hager: "Das Rathaus ist keine Burg"

PFORZHEIM. Dass er im zweiten, dem entscheidenden Wahlgang im Kampf um den OB-Sessel über 60 Prozent der abgegebenen Stimmen holen würde, „das habe ich zunächst nicht glauben können“, gesteht Gert Hager, designierter Oberbürgermeister der Stadt Pforzheim. In der PZ-Redaktion gab er am Montag sein erstes großes Interview als Wahlsieger.

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PZ: Haben Sie die Feierlichkeiten gut überstanden?
Gert Hager: Es war ein sehr schöner Abend. Da haben im Wahlkampfbüro am Sedanplatz auch spontan viele Leute reingeschaut, um kurz zu gratulieren – das hat gut getan.

PZ: Apropos Wahlbüro – was passiert jetzt damit? Eine weitere leer stehende Immobilie?
Hager: Das müssen Sie die Caritas fragen, der gehört das Gebäude. Definitiv werde ich dort rausgehen. Was aber nicht heißt, dass ich für die Menschen nicht mehr erreichbar bin. Es wird Bürgersprechstunden geben; die werden im Rathaus stattfinden – und mit Sicherheit nicht im sechsten Stock. Das wird eine meine ersten Amtshandlungen sein. Das Rathaus ist keine Burg.

PZ: Sie werden bald als OB inthronisiert und lösen damit Ihre bisherige Chefin ab. Schwingt da Mitleid mit?
Hager: Ich habe mit Frau Augenstein generell gut zusammengearbeitet, um das klar zu sagen. Es ist in der Demokratie nun einmal so, dass der Wähler entscheidet. Frau Augenstein und ich sind uns einig, dass der Wechsel reibungslos vonstatten gehen muss.

PZ: Wird das Programm, das die OB bis zu ihrer Verabschiedung am 22. Juli zu absolvieren hat, mit Ihnen abgesprochen? Nehmen Sie Frau Augenstein als designierter Nachfolger etwas ab?
Hager: Diese Frage klären wir schnellstmöglich. Aber nach wie vor ist Frau Augenstein amtierende Oberbürgermeisterin.

PZ: Sie haben im Wahlkampf auch Dinge versprochen, die Geld kosten werden – wo kommt das her, gerade in Krisenzeiten?
Hager: Man muss differenzieren. Geld werden zwei Wahlversprechen definitiv kosten – das integrierte Hochschul-Existenzgründerzentrum sowie ein kleines Budget für die Ortsteile. Alles andere sind langfristige Modelle, die nicht alle auf einmal realisiert werden, sondern schrittweise aufgebaut sind. Im Übrigen geht es nicht immer nur um Geld – ich will die vorhandene Bereitschaft in der Bevölkerung wecken, aktiv an der Gestaltung Pforzheims mitzuwirken, den Schwung und das Potenzial zu nutzen. Wir brauchen Transparenz, gemeinsame Runden – und zwar ohne dass man den Beteiligten und Betroffenen vorgefertigte Lösungen präsentiert, sondern Probleme offen anspricht.

PZ: Es gibt zwei Referentenstellen. Werden die nun mit Personen Ihres Vertrauens besetzt?
Hager: Über Personalfragen diskutiere ich nicht in der Öffentlichkeit.

PZ: Nächster Versuch, diesmal eher auf die Struktur einer Einrichtung gemünzt, die immer öfter in der Kritik steht – der Eigenbetrieb Wirtschaft und Stadtmarketing. Ist die Struktur in Ordnung?
Hager: Auch hier gilt: Ich werde erst einmal mit allen Beteiligten sprechen und zwar alsbald. Ich will mir die Strukturen, die existieren, sehr genau ansehen. Wir müssen Vorstellungen skizzieren, wie man aktiver auf Firmen zugehen kann – schließlich sind wir im harten Wettbewerb mit anderen Städten – und wie man das Stadtmarketing forcieren kann. Wir sind einfach nicht wahrnehmbar genug.

PZ: Sie haben im Wahlkampf gesagt, Sie seien sich nicht zu schade, wo auch immer Klinken zu putzen bei Firmen, die sich ansiedeln sollen, aber sich noch zieren. Werden wir Sie permanent auf Dienstreise durch die Welt jetten sehen?
Hager: Natürlich nicht. Ich bin doch kein Reise-OB. Diese Dinge werden gründlich vorbereitet, und dann werde ich selbst vor Ort sein. Aber einfach mal anklopfen und sagen: Hier bin ich – das geht nicht.

PZ: Eine Personalie, zu der Sie vielleicht doch etwas sagen – Hella Marquardt, der Sie viele Stimmen zu verdanken haben, schließlich hat die ehemalige CDU-Stadträtin Sie als Sozialdemokraten unterstützt und sich gegen die Parteilinie gestellt.
Hager: Hella Marquardt ist so etwas wie der gute Geist Pforzheims. Ohne sie ist diese Stadt kaum denkbar. Sie hilft vielen Menschen, und wir werden unsere enge Zusammenarbeit weiter pflegen.

PZ: Sie haben die noch intensivere Zusammenarbeit mit der Hochschule angerissen. An was haben Sie da konkret gedacht?
Hager: Eben weil viele dieser talentierten jungen Menschen sich anfangs schwer tun mit Existenzgründungen, muss eine solche integrierte Einrichtung geschaffen werden. Wir können es uns nicht leisten, dass diese hochkarätigen und gesuchten Absolventen nach ihrem Diplom, Bachelor oder Masterabschluss Pforzheim auf Nimmerwiedersehen verlassen.

PZ: Eines der Schaufenster für das Potenzial noch studierender Designer könnten leer stehende Immobilien sein wie beispielsweise das „gsg 12“ an der Bahnhofstraße. Der Rathauspavillon für Wechselausstellungen der Designer war ja eher ein Flop.
Hager: Das mit dem Pavillon ist nicht gut gelöst. Da muss man sich was einfallen lassen. Aber auch hier gilt: kein Konzept überstülpen, sondern im Dialog eine Lösung suchen. Ob Leerstände genutzt oder andere Lösungen gefunden werden, werden wir bald besprechen.

PZ: Frage an den Kulturbürgermeister: Kann man sich Kultur leisten, muss man sich Kultur leisten können?
Hager: Ohne Kultur ist eine Stadt gesichtslos. Kultur ist aber auch Wirtschaftsförderung. Das kostet nicht nur. Das bringt Einnahmen – was völlig unterschätzt wird.

PZ: Sie pflegen eine Duz-Freundschaft mit Baubürgermeister Alexander Uhlig. Rücken OB- und Baudezernat enger zusammen?
Hager: Wir müssen klar Ziele definieren und uns erst einmal grundsätzlich definieren, wo wir hin wollen. Dann erst können wir Pläne mit den Einzelheiten skizzieren – das wird ein Paradigmenwechsel.

PZ: In Irkutsk, einer der Partnerstädte Pforzheims, würde man sich schon lange auf den Besuch eines Pforzheimer Stadtoberhaupts freuen. Bisher blieb der Wunsch ungehört.
Hager: Definitiv: Ich werde nach Irkutsk fliegen. Sibirien kann ein Sprungbrett sein für unsere regionale Wirtschaft – Maschinen- und Anlagenbau, Feinmechanik. Russland ist ein schlafender Riese – da ist Dynamik drin.

Autor: PZ-Redaktion

30.05.2011

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