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22.02.2008

Jacko ist Jacko

Vor dem Spiegel stehend, griff man sich in den Schritt – und wollte sein wie der Typ aus den Musikvideos. Dieser Ami, der tanzen und singen konnte wie kein anderer. Man trug, was er trug: Karottenhosen, weiße Socken, Mokassins. Seine Tanzschritte kopierte man gerissen – nach bestem Wissen, Gewissen.

Nützte nix. Wann immer man versuchte, zu sein wie der Entertainer-Übermensch namens Michael Jackson, scheiterte man. Beinahe ein jeder hat sich geübt im Jacko-Sein, das gehörte wohl dazu zum Erwachsenwerden in den 90ern. Und: Die Gewissheit einer jeden träumerischen Kindheit musste lauten: Du kannst nicht sein wie er. Jacko ist Jacko.
Es wäre schön, wenn diese Gewissheit der Kindertage den Produzenten der Neuzeit noch bewusst wäre. Dann würden sie nicht das Album „Thriller“ zum 25. Jubiläum im Remix-Fleischwolf zerstückeln, um aus legendärem Material faden Brei zu rühren. Einfach geschmacklos.

Szeneapplaus.Wie gut hingegen die Originale schmecken, durften „Como“-Gäste erleben. Die Stimmung bei der 80er-Party „Best Age“ wollte nicht in Gang kommen, ehe DJ Cosmo ans Pult schritt – und mit einem Griff alles zum Guten wendete. Er legte „Beat it“ auf, und ein jeder war aus dem Häuschen. Cosmo hat es verstanden: Jacko ist Jacko – und bleibt besser auch Jacko.
Es gibt allerdings auch ambitionierte Versuche, Gutes noch besser zu machen, die nicht zum Scheitern verurteilt sind. Hier ist das neue Projekt der Disco „Casablanca“ positiv zu erwähnen: Am Freitag werden dort die legendären Veranstaltungsreihen „Big Pimpin“ und „House of Luv“ vermengt, um eine neue Event-Gattung namens „Casablanca Deluxe“ zu zeugen. Was das (Betreiber-)Duo infernale Tuna/Borboudakis ausgetüftelt hat, sollen Matt Myer, DJ Gizz und DJ Razé an den Plattentellern erfolgreich umsetzen. Wetten, dass DJ Razé dabei auch Jacko aus der Plattenkiste zaubert!

Szenewechsel. Auf Techno-Partys bedarf es keines Jackos. Dort braucht man „Dildoes“. So heißt das Lied von „Phat Pixel“, das Tausende Menschen dazu verführt, sinnentleerte Silbenketten im Chor zu grölen: Dil-do-lo-dil-dil-do-lo. Besonders die Stuttgarter Szene findet dieses elektronische Meisterstück bezaubernd. Sie nimmt sogar den dumpf-stumpfsinnigen Liedtext über Sexualspielzeuge in Kauf. Derlei Dildo-Duldung lohnt sich, entschädigt doch der treibende Rhythmus ausgiebig.

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