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19.12.2011

"Jessica"-Prozess: Lebenslang für Freundinnen-Mörderin

Nürnberg. In der Neuauflage des «Jessica»-Prozesses ist die 30 Jahre alte Täterin am Montag wegen Mordes an ihrer Freundin zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Das Landgericht Nürnberg-Fürth sah es als erwiesen an, dass die Frau ihre Freundin Jessica tötete, um einen EC-Karten-Betrug zu vertuschen.

Diese Verdeckungsabsicht gilt juristisch als Mordmerkmal. In erster Instanz war die Frau noch wegen Totschlags zu gut 14 Jahren Haft verurteilt worden. Sie selbst bestreitet, ihre Nachbarin im Juni 2008 mit rund 40 Messerstichen umgebracht zu haben.

Die besondere Schwere der Schuld, deren Feststellung die Nebenklage wegen der Brutalität der Tat gefordert hatte, lehnte das Gericht am Montag ab. Somit kann nach 15 Jahren überprüft werden, ob die dreifache Mutter aus dem Gefängnis entlassen wird. Weil die Frau nach dem ersten Urteil einen Suizidversuch unternommen hatte, soll sie nun zwei Wochen lang intensiv überwacht werden.

Der Verteidiger der 30-Jährigen hatte am Montag erneut auf Freispruch plädiert; nach vielen verschiedenen Versionen im ersten Prozess hatte die Angeklagte diesmal ihren Ex-Verlobten beschuldigt. Ihre Täterschaft stand aber nicht zur Debatte: Nach der ersten Instanz war auch der Bundesgerichtshof Bundesgerichtshofneue Suche mit diesem Objektverfeinern nach diesem ObjektVerfügbare Bedeutungen: Bundesgerichtshof bei der Überprüfung davon überzeugt, dass die Frau ihre Freundin umgebracht hatte. Das Landgericht musste nur nochmals prüfen, ob es sich bei der Tat um Totschlag oder um Mord handelte - mit entsprechend längerer Strafe.

Das Gericht habe sich auf Indizien gestützt, da die Aussagen der Angeklagten nicht verwendbar gewesen seien, um ein Motiv zu erkennen, sagte ein Gerichtssprecher nach dem noch nicht rechtskräftigen Urteil. Indiz war zum einen die finanzielle Schieflage der Angeklagten - bei ihr ging der Gerichtsvollzieher ein und aus.

Hinzu kam, dass die 30-Jährige mit der EC-Karte des Opfers heimlich 7000 Euro abgehoben hatte. Die zweifache Mutter schöpfte Verdacht - und starb einen Tag vor einer geplanten Gegenüberstellung bei der Bank, bei der die Täterin mit großer Sicherheit aufgeflogen wäre. Zu diesem Zeitpunkt wusste sie noch nicht, dass Jessica ohnehin bereits Anzeige gegen sie erstattet hatte - und wiegte sich nach Ansicht des Gerichts daher in dem Glauben, durch die Gewalttat den Betrug vertuschen zu können.

Die Kammer schloss daraus, dass dies für die 30-Jährige der einzige Grund gewesen sein konnte, Jessica umzubringen. Ihr Anwalt hatte zuvor schon angekündigt, dass seine Mandantin ein Wiederaufnahmeverfahren anstrebe. Jedoch hält er selbst dies aufgrund der verschiedenen Aussagen der Frau für wenig aussichtsreich. dpa