

PFORZHEIM. Stadtkämmerin Susanne Weishaar zieht die Konsequenzen: Sie verlässt das Rathaus. Das gab die Stadt am Dienstag bekannt. Genau wie den Umstand, dass das Derivate-Fiasko noch teurer sein könnte als befürchtet: Aus bislang im Raum stehenden 50 bis 60 Millionen Euro könnte ein Minus von 77,5 Millionen Euro werden.
Auf eigenen Wunsch, so heißt es in der Pressemitteilung am Dienstag Abend aus dem Rathaus, werde Stadtkämmerin Susanne Weishaar die Stadtverwaltung verlassen. Sie sehe „die Vertrauensbasis zwischen sich und Teilen des Gemeinderats und Teilen der Verwaltung nicht mehr in ausreichendem Maße gegeben“. Dieses Vertrauen sei aber für die tägliche Arbeit ein wesentlicher Faktor.
„Ausschlaggebend war die Diskussion über die CMS Spread Ladder Swaps der Deutschen Bank, mit deren Hilfe die Zinslast der Stadt optimiert werden sollte“, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Der PZ gegenüber sagte Susanne Weishaar, dass die Entscheidung in den vergangenen Tagen gefallen sei. „Es hat sich gezeigt, dass es zunehmend schwieriger wurde“, so Weishaar. Auf die Frage, ob sie bereits eine neue Stelle habe, sagte die scheidende Kämmerin, sie sei in guten Gesprächen.
In einer nur Sekunden auf diese Pressemitteilung folgenden zweiten Veröffentlichung gab die Stadt bekannt, dass ihr aus diesen Derivate-Geschäften bei der Deutschen Bank und im Anschluss zur Minderung von Verlusten bei J.P.Morgan mittlerweile im schlimmsten Fall ein Minus von 77,5 Millionen Euro droht.
Bislang war das Rathaus von bis zu 60 Millionen Euro ausgegangen. Das erhöhte Risiko rührt aus einer anderen, offenbar realistischeren Berechnungsgrundlage her. Es geht aber nur um eine Prognose von Zins-Entwicklungen. Zudem könnte die Stadt in juristischen Auseinandersetzungen und Verhandlungen mit den Banken eine Lösung finden. „Ob und in welcher Höhe Zahlungen tatsächlich fällig werden, ist völlig offen.“ Pforzheim sei nur eine von mehreren hundert Kommunen und mittelständischen Unternehmen, die mit solchen Geschäften versucht hätten, ihre Zinsbelastung zu drücken.
Oberbürgermeister Gert Hager zeigte sich schockiert über die erneut gewachsene finanzielle Bedrohung. Dies zeige, wie wichtig die Aufarbeitung unter anderem durch die Gemeindeprüfanstalt sei.
Zur Frage einer möglichen Verantwortung von Susanne Weishaar für die Derivate-Geschäfte, äußerte sich Hager in beiden Mitteilungen nicht. Er dankte der Stadtkämmerin „für ihre über viele Jahre geleistete gute Arbeit“. Sie habe in einer schwierigen Zeit bei Umstrukturierungen und Privatisierungen Verdienste erworben und geholfen, Betriebskosten-Defizite des Klinikums und der Stadtbusse abzubauen. Vor wenigen Wochen hatte Hans-Ulrich Rülke, Vorsitzender der FDP-Gemeideratsfraktion, wegen der Derivate-Geschäfte Weishaars Suspendierung gefordert.
Autor: Marek Klimanski





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Leserkommentare (22)
Mehr KommentareDas war nach dem Druck aus der Öffentlichkeit nur eine Frage der Zeit, bis Frau Weishaar geht. Es war ein folgerichtiger Schritt, nachdem es offensichtllich auch hinter den verschlossenen Türen an Vertrauen mangelte. mehr...
Es ist eine schallende Ohrfeige. Anstatt das der Gemeinderat (oder der OB) Frau Weishaar „feuert“ wegen schlechter Arbeit und Vertrauensverlust geht sie selbst. Das ist doch ein schlechter Scherz. Hat den der Gemeinderat/ OB keinen Mut gehabt? „Gute Arbeit“? Herrn Oberbürgermeister Gert Hager hätte ich gar nicht so viel Sarkasmus zu getraut. Rechnet man die positiven und negativen Verdienste zusammen, wird da wohl ein dickes Minus stehen. Und wenn es dann tatsächlich 77,5 ...... mehr...
Zitat von Stein [QUOTE]Und wenn es dann tatsächlich 77,5 Mio. sind, was ist dann? Frau Weishaar ist schon lange weg und wir müssen es bezahlen. Hurra. Den Letzten beißen die Hunde, ich lege schon mal etwas Geld beiseite.[/QUOTE][SIZE=2]Das nennt man Solidargemeinschaft : Eine für alle, alle für eine. Nur war das - kann ich mich dumpf erinnern - etwas anders gemeint. :o[/SIZE] mehr...