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24.02.2009

Kassiererin muss gehen

Wenn es ums Prinzip geht, dann wird es mitunter bitter. So auch in diesem Fall: Fristlos entlassen wegen eines Diebstahls im Wert von 1,30 Euro. Eigentlich eine Lappalie. Aber eben nur eigentlich.

Denn der hart anmutende Richterspruch, der die fristlose Kündigung der Kassiererin absegnet, ist nachvollziehbar. Welche wirkliche Garantie hätte die Frau dem Supermarkt dafür geben können, dass sie künftig ehrlich bleibt?
Der Richterspruch besagt aber auch: Ein fristloser Rauswurf ist nicht zwingend. Und wer weiß, hätte die Frau nicht geleugnet, sondern reinen Tisch gemacht, vielleicht wäre ihr Arbeitgeber mit einer Abmahnung oder wenigstens einer fristgerechten Kündigung zufrieden gewesen? Und nun kommt ein Beigeschmack ins Spiel, denn die Härte des Arbeitgebers sei ideologisch bedingt, behauptet die Kassiererin. Weil sie sich an Streikaktionen beteiligt habe, wolle man sie loswerden. Eine Unterstellung, die vor Gericht nicht nachzuweisen war.
Deshalb bleibt nur lapidar festzustellen: Kassiererin zu sein bedeutet, eine besondere Vertrauensstellung inne zu haben. Jeder, auch gering verdienende, Arbeitnehmer verfügt über ein Startkapital – seinen guten Ruf. Dieser wird doppelt wertvoll, sofern man sich für seine Rechte engagiert – und damit womöglich unbequem wird. Wer gleichwohl seinen Vertrauensvorschuss leichtfertig verspielt, dem ist mit Paragraphen nicht mehr zu helfen.