nach oben
09.07.2008

Kate Ca$h

Genius Grönemeyer im Autoradio, ein Erlebnis. Was er in „Demo – Letzter Tag“ singt, und wie er es singt, ist so beseelt. Ich stimme ein, das Autofahren wird zur Nebensache. Ich verpasse drei Grünphasen. Die Nebenmänner glotzen. Die Hintermänner hupen. Das stört mich nicht, so lange nur Herberts Stimme weiter quietscht – wie ein alter Trabi.

Was mich noch nachhaltiger begeistert als seine Stimme – die emotionale Fallhöhe des Textes, im ersten Satz besonders ausgeprägt: „Weiß man, wie oft ein Herz brechen kann? “


Leider versteht diesen Satz nicht jeder. Der Radiomoderator wundert sich öffentlich über den seltsamen Text: „Hören Sie mal, der singt: ,Weiß man, wie oft ein Arzt brechen kann?' Komisch!“


Szeneapplaus. Kaum ein Musiker, den der deutsche Markt in den vergangenen Jahren angespült hat, besitzt das lyrische Format eines Grönemeyers: Wer schreibt schon so eigenwillig berührende Texte wie der große Meister und singt sie so eigenwillig anrührend?


Ich weiß da einen: Clueso!

Seine Werke „Chicago“ oder „Keinen Zentimeter“ sind Pop-Songs, die mehr Mut machen als Siege der deutschen Fußball-Nationalelf. Wer Clueso beim Musizieren sehen will, seine Texte mit Tausenden jungen Menschen grölen mag, der muss am Samstag zu „Campus Invasion“. Einem tollen Festival neuzeitlicher Musik abseits des Mainstreams an der Uni Tübingen.

Tolle Festivals kennt auch Pforzheim, spätestens seitdem es „Gute Toene“ gibt. Großartig war's, von Jahr zu Jahr steigt die Attraktivität des Spaß-Spektakels auf dem Wartberg. Schade nur, dass es schon vorbei ist. Was tröstet: Das Open-Air-Event wird in Zukunft weiter wachsen.

Szenewechsel. Benutzt Du eigentlich eine Mundspülung? Kate Nash tut's. Nun nennt sie diese aber „Mouthwash“, und das ist nachvollziehbar, denn sie ist Britin. In ihrer neulich veröffentlichten Single namens „Mouthwash” erzählt sie Geschichten aus dem Mundraum: dass sie Mundwasser benutzt und manchmal Zahnseide. Außerdem erfährt die geneigte Hörerschaft, dass sie Freitag nachts gerne „Oho!“ trällert.

Man kann sie dreist nennen, wenn sie Geschichten über Zahnhygiene und andere Beiläufigkeiten zu Geld macht, diese Kate Ca$h. Man kann es aber auch authentisch nennen, wenn sie sich trotz Millionen verkaufter Platten zu einer normalen Lebenswirklichkeit mit „Mouthwash“-Notwendigkeit bekennt, diese Kate Wash. Wie auch immer: „Mouthwash“ ist in aller Munde.