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06.05.2008

Kinderschutz-Maßnahmen

In Baden-Württemberg sollen Eltern künftig gesetzlich verpflichtet werden, ihre Kinder zu regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen zu schicken. Das klingt gut – ist aber mehr ein symbolischer Akt. Denn im Land nehmen ohnehin bereits rund 95 Prozent aller Kinder an den so genannten U-Untersuchungen teil.

Mehr als ein winziger Baustein zu einem wirksamen Kinderschutz ist eine solche Verpflichtung daher nicht. Auch Sozialministerin Monika Stolz musste gestern bei der Vorstellung ihres Maßnahmenbündels einräumen, dass die dramatischen Fälle von Kindesmissbrauch und Kindesmisshandlung, die zuletzt die Öffentlichkeit alarmierten, durch verpflichtende Untersuchungen nicht hätten verhindert werden können.
Weitaus wirksamer, als dem Staat immer mehr Eingriffe und Kontrollen aufzuerlegen, ist es, wenn jeder einzelne Bürger genauer hinschaut, was in seiner unmittelbaren Nachbarschaft geschieht – und verantwortlich handelt. Traurig genug, dass es mit Hinweisen an Behörden oft nicht getan ist. Groß ist die Zahl der Fälle, in denen zwar Hinweise auf häusliche Katastrophen vorlagen, aber von amtlicher Seite aus darauf nicht reagiert wurde oder werden konnte. Umso mehr gilt: Kinderschutz ist Aufgabe jedes Einzelnen. Und die beginnt oft schon damit, Notsituationen in Familien oder bei werdenden Müttern zu erkennen. Anteil nehmen ist daher die eigentliche Bürgerpflicht. Und zwar nicht erst, wenn das Kind – buchstäblich – schon in den Brunnen gefallen ist.