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23.06.2009

Klage gegen verkaufsoffene Sonntage

Sind verkaufsoffene Sonntage verfassungswidrig? Sind die gegen das Berliner Ladenöffnungsgesetz klagenden Kirchen in ihrer Existenz bedroht, wenn – wie in der Bundeshauptstadt vorgesehen – an zehn Sonntagen pro Jahr die Kassen parallel zu den Glocken klingeln?

Schwer vorstellbar, dass die Karlsruher Verfassungshüter der Metropole in ihrer Bemühung, Touristen mehr Freiheiten zu bieten, in die Parade fahren. Warum auch?
Die Existenzängste der Kirchen erscheinen – gelinde gesagt – übertrieben. Wenn Christen ihren Gotteshäusern fernbleiben oder den Rücken kehren, liegt es sicherlich nicht daran, dass die Menschen den Einkauf punktuell sonntags besorgen können. Wenn die Kirchen – trotz staatlichen Einzuges der Kirchensteuer – darben, sollten sie sich fragen, ob sie ihren Glauben zeitgemäß zelebrieren; und ob sie beispielsweise in ihrer Rolle als Arbeitgeber stets ein ihren Grundsätzen angemessenes Bild abgeben.
Zudem ist es nicht wirklich einzusehen, warum bei zehn entsprechenden Einkaufsgelegenheiten pro Jahr der Grundrechtsschutz auf freien Sonntag gefährdet sein sollte. Man möge dabei einen Aspekt nicht vernachlässigen: Die Läden könnten damit ein Stück weit ihren Nachteil gegenüber der rund um die Uhr bereiten Tankstellen- und Internet-Konkurrenz wettmachen.
Als der Verfassungsartikel zum Schutz des Sonntags vor 90 Jahren formuliert worden ist, war die Welt eben noch eine gänzlich andere – und für die Kirchen eine bessere.