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12.11.2009

Kommentar zu: Liest die Jugend überhaupt noch Zeitung?

Das gerade abgeschlossene Projekt „Klasse Zeitung“, das eine Kooperation zwischen der PZ und der Fritz-Erler-Schule war, hat mich mit der Frage konfrontiert, ob eine Tageszeitung für Jugendliche noch von Interesse ist.

Sechs Wochen lang ist uns jeden Morgen, pünktlich zur ersten Schulstunde, die PZ kostenlos in die Schule geliefert worden. Jeder hat darin geblättert und gelesen - auch in den Pausen. Zudem wurden zwei Klassen, die J1/1 und die J1/6, nicht nur von ihren Lehrern über das Lehrplanthema „4. Gewalt“ unterrichtet, sondern parallel dazu auch von Redakteuren der Pforzheimer Zeitung aufgeklärt, die in einem weiten Bogen verschiedene Aspekte abdeckten - wie die Geschichte der Zeitung und die Bedeutung der Pressefreiheit. Diese Projektarbeit war neu und wurde von den Schülern sowie von den Lehrern neugierig in Angriff genommen.

Aber Nachrichten gibt es täglich viele und es wird sehr vielseitig über alles berichtet, was in der Region, im ganzen Land oder international vor sich geht. Radio, Fernseher, Internet-Nachrichtenquellen gibt es viele. Wozu dann noch die Zeitung?

Laut Umfragen lesen 30 Prozent der befragten Jugendlichen nur gelegentlich Zeitung und andere 20 Prozent nur selten oder überhaupt nicht (Quelle: Typologie der Wünsche). Auch hört man immer öfter, dass sie, wenn sie Zeitung lesen, nur den Sportteil lesen oder sogar nur das Rätsel lösen. Es ist viel einfacher, sich im Internet zu informieren, da man sofort jeden Text parat hat. Man muss nicht erst die ganze Zeitung durchblättern, um DEN bestimmten Artikel zu finden, sondern nur schnell den Suchbegriff bei Google eingeben und schon hat man das, was man haben will. Doch man könnte ihn auch in der Zeitung nachlesen, wenn man sie aufschlüge.

Aber es ist nicht mehr so wie bei unserer Elterngeneration, die morgens zum Frühstück ihre Zeitung lesen will, nein, die Jugend liest mittags das Interessante auf diversen Internetportalen.

Jungen Menschen kann man deshalb also nicht nachsagen, dass sie sich nicht über wichtige Geschehnisse informieren, denn das tun sie, wenn auch anders als ihre Eltern oder Großeltern, die noch das „alte Medium“ Zeitung gewohnt sind. Wir Jugendliche sind mit dem Internet aufgewachsen, so wie unsere Großeltern mit der Zeitung. Darum können viele nicht verstehen, warum man sich zum Lesen lieber vor den Computer setzt, als dass man die Zeitung liest und vielleicht werden wir zu unseren Kindern auch einmal so etwas sagen, denn sie werden mit großer Wahrscheinlichkeit mit anderen, neueren Medien aufwachsen und noch weniger Zeitung lesen.

Wo wird die Zeitung in den nächsten zwanzig Jahren stehen und was für einen Stellenwert wird sie haben? Denn haben mich die letzten sechs Wochen so mit der PZ verbunden, dass ich sie weiterhin lesen oder sie mir auf dem Weg zur Schule am Kiosk kaufen werde?

Theresa Girrbach