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20.01.2012

Kriegsberichterstattung: Was zieht der Leser vor: Lüge oder Wahrheit?

Mein Bruder und ich sitzen vor dem Fernseher. Wir diskutieren gerade darüber, was den Ninja-Turtles wohl bei der nächsten Folge passieren wird, als unser Vater umschalten will, um die Nachrichten zu sehen. Wir protestieren, weil die Ninja-Turtles anfangen und sagen ihm noch, dass im Ersten und ZDF dauernd nur dasselbe kommt und irgendwelche Männer in Uniformen über Fakten reden, die wir noch gar nicht verstehen, aber da hat er schon umgeschaltet. Man sieht wie amerikanische Truppen in Afghanistan einmarschieren. Unser Vater schickt uns Weg und sagt wir sollen wo anders spielen gehen und damit gehen wir und fangen wieder an, über die Abenteuer der Ninja-Turtles zu reden.

Es war der 7. Oktober 2001. Bomben wurden abgeworfen, Marschflugkörper wurden abgefeuert und Panzer fuhren in Kabul ein. Es ging, laut Bushs Rede nach dem 11. September, darum die Terroristen zu vernichten um der Welt Frieden zu gewährleisten.

Doch ist das die Wahrheit? Und wenn es nicht die Wahrheit ist was für eine Rolle spielt dann die Kriegsberichterstattung in dieser „Lüge“, wie standen und stehen heute die Medien dazu? Was sind die Beweggründe der Journalisten und deren Ziele? Und ganz wichtig: wie steht der Zeitungsleser, Radiohörer oder Internetnutzer dazu, zieht er eine Lüge oder die nackte Wahrheit vor? Ist für den Leser die schreckliche und grausame, aber eben wahre Wahrheit wichtig oder lässt er sich von der so verlockenden, verlockend harmlosen, Lüge hinreißen, die gleichzeitig bedeutet wegzuschauen und sich eine „heile“ Welt zu schaffen, bis einen die Realität einholt.

Natürlich hat Bush nur die halbe Wahrheit in seiner Rede gesagt. Es ging darin in erster Linie darum, dass man Osama Bin Laden schnappen und töten wolle, und in zweiter Linie darum, Al-Quaida zu vernichten. Und das ist Fakt, denn viele Experten sind derselben Meinung und warum hätte sonst die US-Regierung so viele Ressourcen darauf verwendet Bin Laden zu fangen und hätte ihn über mehrere Jahre gejagt? Es ist durchaus verständlich, dass sie ihn gejagt haben, denn er ist derjenige, der für den 11. September verantwortlich ist.

Doch was hat es nun mit dem Verhalten der Medien in diesem Konflikt auf sich? Die militärische Presse hat immer dieselbe Aufgabe: nicht unbedingt die Wahrheit sagen, nur wenn sie die Moral der Truppen erhöht. Die zivile Presse will den Menschen im Krieg meistens ein Gesicht geben und die Rezipienten mit der Wahrheit mehr oder weniger aufrütteln und ihnen sagen, dass das nicht so weitergehen kann und sie deshalb etwas unternehmen müssen oder wenigstens die Menschen dort respektieren sollten.

Aber die Medien können nicht vom Schreibtisch aus die Rezipienten über den Krieg informieren. Dazu müssen Journalisten in ein Kriegsgebiet reisen. Aber warum machen sie das? Ist es ihr fanatischer Eifer, die Leute zu etwas zu bewegen, damit diese auf die Straße gehen und - wie während des Vietnamkrieges - protestieren? Oder ist es etwa das Verlangen nach dem großen Geld? Der Einzelfall entscheidet.

Ich denke, dass Journalisten in erster Linie die Zufriedenstellung der Massen bewirken wollen. Der Rezipient an sich, lässt sich gerne beeinflussen von den großen Medien. Und wenn er ein Bild von einem sauberen und aus einer friedlichen Überzeugung geführten Krieg vorgelegt bekommt, ist er zufrieden und kann sich „wichtigeren“ Problemen widmen. Deswegen zieht er lieber eine Lüge als die Wahrheit vor, um sich nicht mit einem ihm völlig fremden und weit entfernten Thema beschäftigen zu müssen.

Man sollte aber gerade nicht wegschauen und einer Lüge glauben, denn früher oder später holt einen die Realität ein. Und diese schlägt dann noch härter zu. Man kommt dabei zu der Erkenntnis, dass es nicht nur Kriege mit Waffengewalt gibt, sondern auch Medienkriege. Wer bringt die spektakulärste Story? Auch dabei kommt es zur Manipulation, nicht nur, wenn Staaten die eigenen Interessen verfolgen, ohne Rücksicht zu nehmen auf die Menschheit. André Thevenot