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24.09.2009

Krise im Südwesten

Kranker Mann Baden-Württemberg. Das Musterländle leidet, und zwar deutlich mehr als die langjährigen „Versager“ unter den Bundesländern, denen der reiche Südwesten sonst per Länderfinanzausgleich aus der Patsche hilft. Wer hätte das für möglich gehalten? Wohl kaum jemand. Dabei ist es nur logisch, dass die weltweite Krise gerade das exportorientierte Ländle am härtesten trifft.

Daimler, Porsche, Bosch – all diese wohlklingenden Namen haben derzeit ein Problem. Und mit ihnen die vielen Zulieferer und die kleinen und mittleren Produzenten von Spezialmaschinen, die kaum einer mit Namen kennt und die dennoch Weltmarktführer in ihrer Sparte sind – sie kommen zuhauf aus Baden-Württemberg. Ihre Stärke in guten Jahren verkehrt sich nun in eine Schwäche: Wenn weltweit weniger Werkzeuge, Pressen oder Auspuffe gebraucht werden, dann macht sich das hier mehr als in jedem anderen Bundesland bemerkbar.
Das Ländle könne nicht nur kein Hochdeutsch – „es kann auch Krise nicht“, lästerte deshalb vor einiger Zeit die „Süddeutsche Zeitung“. Tja, auch Krise muss man lernen. Allerdings müssen sich Oettinger und Co. schon fragen, ob sie nicht mehr hätten tun können. Sind die Arbeitsplätze erst mal futsch, nützt auch die schönste Nullverschuldung nichts. Darüberhinaus wurden nicht die richtigen Akzente gesetzt: Das landeseigene 2,1 Milliarden Euro schwere Konjunkturprogramm bescherte vor allem dem Handwerk Arbeit. Geholfen hat den darbenden Maschinenbauern und Autozulieferern die – vom Bund subventionierte – Kurzarbeit. Doch auch die kostet kleine Firmen viel Geld. Es ist zu befürchten, dass etliche den Aufschwung gar nicht mehr erleben.
Noch ist der Gipfel der Krise nicht erreicht: Wie sich das anfühlt, werden viele erst noch merken, wenn Kurzarbeit in Arbeitslosigkeit mündet und Kommunen mit nie dagewesenen Steuereinbrüchen zu kämpfen haben. Dann ist es zum Reagieren aber zu spät.