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06.09.2009

Kritik an der Bundeswehr: Vertrauen nicht verspielen

Wahrheit stirbt im Krieg immer zuerst. Dass dieses Sprichwort – leider – wieder einmal zutreffend ist, zeigt die aktuelle Situation nach dem Luftangriff der Isaf-Truppen in Afghanistan, befohlen durch die Bundeswehr. 125 Menschen sollen gestorben sein, schätzt die Nato, davon zwei Dutzend Zivilisten. Afghanistans Präsident Karsai spricht von 90 Toten, der Gouverneur der Provinz von über 70, davon 40 unschuldige Opfer.

„Die Zahlen sind absolut nicht nachvollziehbar“, kontert das deutsche Verteidigungsministerium und nennt die Zahl von 57 Toten, die alle Taliban-Kämpfer sein sollen. Die Wahrheit ist: Am Hindukusch tobt auch ein Propaganda-Krieg. Zur Taktik der Taliban gehört es, Fehlinformationen wie etwa falsche Opferzahlen zu streuen, um den Gegner somit an seiner „Heimatfront“ unter Druck zu setzen. Wer weiß schon, ob das hier nicht auch der Fall war?

Dass Zivilisten bei dem Luftangriff starben, davon darf, davon muss ausgegangen werden. Wie viele es waren, muss allerdings noch geklärt werden.

Denn die Wahrheit ist auch: Die Aufarbeitung, die Aufklärung dieses Angriffs ist dringend nötig. Zum Einen nach innen, gegenüber der deutschen Bevölkerung, deren Soldaten am Hindukusch kämpfen. Zum Anderen aber gegenüber der afghanischen Bevölkerung, die durch solche Angriffe gefährdet ist. Dazu gehört auch, dass mögliche Fehler eingestanden werden. Sonst sterben in diesem Krieg, der keiner sein soll, nicht nur Menschen und die Wahrheit, sondern auch das Vertrauen der Afghanen in die eigentlich helfenden und unterstützenden fremden Truppen im eigenen Land.