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13.05.2008

Lage auf dem Lehrstellenmarkt

Die entspannte Situation auf dem deutschen Lehrstellenmarkt ist nur eine gute Nachricht für jene Jugendlichen, die eine ordentliche schulische Qualifikation haben. Sie bekommen angesichts des großen Lehrstellen-Angebots einen Ausbildungsplatz. Für die Unternehmen hingegen ist das dringend benötigte Heranbilden von Fachkräften nicht in dem Umfang möglich, wie es eigentlich nötig wäre. Das hat mehrere Ursachen.

Zum einen zeigt das Missverhältnis von hohem Lehrstellen-Angebot und vergleichsweise geringer Nachfrage, dass der demografische Wandel in vollem Gang ist. Deutschlands Betriebe werden zunehmend ärmer an Nachwuchs, weil die Geburtenrate hier gerade mal den 180. Platz in einer Rangliste von 191 Ländern der Welt einnimmt. Es ist kaum zu erwarten, dass sich mittelfristig hierzulande eine spürbare Wende ergeben wird.
Ein weiterer Grund ist die teilweise miserable schulische Bildung von Bewerbern. Wie eine Sprecherin des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) dem Onlinedienst FAZ.net sagte, könnten 20 Prozent der Schulabgänger nur auf Grundschulniveau lesen, schreiben und rechnen. Bestätigt wird diese Beobachtung vom Handwerk, das aufgrund der schlechten Bewerberstruktur auch in diesem Jahr viele Lehrstellen unbesetzt lassen wird.
Für das deutsche Schulsystem muss dieses Ergebnis höchst alarmierend sein. Nachdem bereits die gering qualifizierten Jobs ins Ausland verlagert wurden, droht nun auch der Exodus von Arbeitsplätzen für Spezialisten.