

Zu dem Beschluss des Pforzheimer Gemeinderats, alle verkaufsoffenen Sonntage für 2009 abzusagen, haben uns zahlreiche Leserbriefe erreicht. Hier finden Sie eine Auswahl.
Gut gemacht, Pforzheimer Gemeinderat. Danke für die Ohrfeige. Nun können bald alle Geschäfte in Pforzheim ihre Tore schließen. Wir Verbraucher sind dann mal weg. Es gibt ja noch andere Städte, die es nötiger haben. Armes Pforzheim, wer zahlt denn dann noch Gewerbesteuern ? So viel Ignoranz, Intoleranz und Interesselosigkeit ist wirklich beispielhaft! Ich frage mich wirklich langsam, in welcher Zeit wir eigentlich hier in Pforzheim stecken geblieben sind.
Karin Schott, Pforzheim
Über die Hälfte der Pforzheimer Gemeinderäte haben immer noch nicht verstanden, wie ernst es um den Pforzheimer Einzelhandel steht. Nachrichten jedweder Art werden anscheinend von einer Mehrheit im Gemeinderat nicht aufgenommen oder ignoriert. Das anhaltende Einzelhandelssterben in Pforzheim geht an diesen Personen spurlos vorüber – zum Beispiel Breuninger, jetzt SinnLeffers, um nur die ganz Großen zu nennen. Dazu kommen noch unzählige kleinere Fachgeschäfte, welche in den letzten Jahren schließen oder sich drastisch verkleinern mussten. Ganz zu schweigen von denjenigen Einzelhändlern, welche permanent Überlegungen anstellen müssen, ob ihr Geschäft noch eine Überlebenschance hat. Wann begreifen der Pforzheimer Gemeinderat und die Verantwortlichen der Stadt, dass es schon lange nicht mehr „fünf vor zwölf“ ist, sondern wir uns schon im späten Nachmittag befinden.
Pforzheim steht in der direkten Konkurrenz mit Karlsruhe und Stuttgart, wie oft muss man dies noch erklären? Die offenen Sonntage waren bisher immer ein Besuchermagnet, siehe PZ vom Montag. Liest denn über die Hälfte der Gemeinderäte keine Zeitung und gehen diese Personen nicht in die City? Wir, in der Bahnhofstraße 12, verstehen die Welt nicht mehr.
Gaby und Axel Müller, Pforzheim
Diese mehr als fragwürdige Ausrede, dass der Sonntag zunehmend an seiner Bedeutung als „Erhol- und Familientag“ verliere, ist typisch für unsere „Volksvertreter“. Was vertreten diese Damen und Herren? Wirre Begründungen, inhaltslose und an den Haaren herbei gezogene Argumente. Der vergangene Sonntag war ein Fest. Und eine Bereicherung für Pforzheim. Diese Entscheidung ist peinlich und kontraproduktiv für die Innenstadtentwicklung. Es würde mich interessieren, wie viele dieser bigottischen Herrschaften sonntags die Kirche besuchen. Wie viele sonntags den Wagen waschen oder im Garten arbeiten. Vielleicht unternehmen sie auch einen Ausflug, vielleicht gehen sie in eine Gaststätte und lassen sich dort sonntags bekochen und bedienen. Aber diese Sonntagsarbeit wird gerne in Anspruch genommen. Zwei Mal im Jahr, zwei von 52 Sonntagen. Gerade mal knapp vier Prozent. Welch eine kleingeistige Lächerlichkeit diese Entscheidung prägt! Dieses Fest war ein Familienausflug für Tausende. Werden diese Damen und Herren ihrer Aufgabe eigentlich gerecht, Pforzheims Entwicklung positiv zu steuern? Das Entsetzen des Einzelhandels ist mehr als verständlich. Man fragt sich zurecht, in welcher Traumwelt diese Feiertagspolitiker leben. Es geht hier um Arbeitsplätze. Es geht hier darum, die Innenstadt zu beleben! Candlelight-Shopping. Ein blöderer Vorschlag konnte wohl nicht kommen. Sonntags hat die Familie Zeit. Zeit, gemeinsam und entspannt das Rahmenprogramm zu genießen und nebenbei auch noch etwas einzukaufen. Kommentar aus der Schule: Setzen, 6!
Jürgen Pfältzer, Pforzheim
Mit solchen völlig unverständlichen Entscheidungen kann man seinen Bürgern gehörig den Spaß und die Freude verderben. Dieser Schuss geht hoffentlich nach hinten los, denn so mancher Stadtrat hat wohl vergessen dass 2009 auch Gemeinderatswahlen stattfinden.
Erwin Strammer, Pforzheim
Die – vermeintliche – Mehrheit des Gemeinderats nutzte die entschuldigte Abwesenheit einiger Kollegen zu einer dramatisch falschen und der Stadt massiv zum Nachteil gereichenden Entscheidung. Zu Recht Entsetzen und Zorn auf Seiten der Frau Oberbügermeisterin über den Einzelhandelsverband bis zu einer Vielzahl von Bürgerinnen und Bürgern. a) Wer sind wir Bürger sowie Einzelhändler denn, dass wir uns von ein paar Menschen im Gemeinderat bevormunden lassen müssen, was wir sonntags zu tun oder zu lassen haben? b) Der verkaufsoffene Sonntag ist nach meiner Kenntnis keine Zwangsveranstaltung mit Erscheinungspflicht. Jeder Mensch muss für sich entscheiden, ob er diesen Tag zur Ruhe und Besinnung (etwa für einen Kirchenbesuch) nutzt oder nicht. Ein solcher Tag ist vorzüglich geeignet, dem nun in der Tat nicht auf Rosen gebetteten Einzelhandel zu helfen und gleichzeitig und insbesondere das Familienleben der Bürger zu fördern. Wann sonst haben Eheleute und Kinder die Gelegenheit, gemeinsam durch die Stadt zu bummeln und/oder einzukaufen? Wann sonst besteht Gelegenheit, die Stadt näher kennenzulernen und sich mit der Stadt zu identifizieren? c) Die Menschenmassen am vergangenen Sonntag in Pforzheim strafen jedes Argument gegen den verkaufsoffenen Sonntag Lügen. Die um Wirtschaftsförderung bemühten Repräsentanten in den Nachbargemeinden und Nachbarstädten klatschen sich vor Vergnügen auf die Schenkel, begeistert davon, dass sie von Pforzheim ein solches Geschenk erhalten. Fazit: Diese unerträgliche Bevormundung der Bürger, zumal noch zum wirtschaftlichen Nachteil der Stadt, muss sofort vom Tisch. Diese wunderbare Stadt mit hoher Lebensqualität hat solche Gemeinderatsbeschlüsse nicht verdient!
Wolf-Dieter Späth, Erster Vorsitzender Verkehrswacht Pforzheim und Enzkreis e. V.
Man kann es kaum glauben und liest den Artikel in der PZ zwei Mal. Ablehnung des verkaufsoffenen Sonntag durch unseren Gemeinderat. Ja sind denn diese Damen und Herren niemals bei einem dieser Tage in der Stadt gewesen? Wie kann man solch einen Unsinn abstimmen. Bei einem Herrn Schroth mit seiner gewerkschaftlichen Gesinnung kann man es ja noch verstehen, aber Freie Wähler und die sogenannte Volkspartei SPD sollten ihr Votum nochmals überdenken. Es ist nun das zweite Mal, dass uns unser Gemeinderat eine einmalige Chance vereitelt. Zwischen Karlsruhe und Stuttgart sowie zwischen all den aufstrebenden Gemeinden sollte sich Pforzheim durch besondere Aktivitäten hervortun. Dasselbe gilt für die Ablehnung, den Turnplatz neu zu gestalten. Aber wir Wähler von Pforzheim versprechen allen Stadträten, wir werden bei den nächsten Wahlen genau überprüfen, wer gewählt wird und wer zu Hause bleiben darf. Wir werden diesesmal nichts vergessen.
Wolfgang und Liliane Abrecht Pforzheim
Der vorläufige Höhepunkt der Fehlentscheidungen des Gemeinderats nach dem Gerangel um den Turnplatz/Wochenmarkt ist jetzt das Verbot der verkaufsoffenen Sonntage. Der Gemeinderat gehört wegen Geschäftsschädigung (Grundsteuer/Gewerbesteuer) verklagt und abgewählt. Frage: Woher kommt die Politikverdrossenheit?
Dieter Sommer, Pforzheim
Die Motive, die die Mehrzahl meiner Stadtratskollegen veranlasst hat, gegen die verkaufsoffenen Sonntage zu stimmen, sind durchaus ehrenwerter Natur: Erhaltung der christlichen Sonntagsruhe, Schutz der Familien mit Kindern vor der Raffgier des Kommerzes und Sorge um das Wohlergehen der Beschäftigen im Einzelhandel an zwei Sonntagen im Jahr von 13 bis 18 Uhr. Das Bedauerliche ist nur, dass sich die Städte und Gemeinden um Pforzheim herum einen feuchten Kehricht darum kümmern. Sie nutzen vielmehr die gesetzlich festgesetzten Möglichkeiten aus, die Läden dreimal jährlich an Sonntagen zu öffnen, in Stuttgart beispielsweise bis zu zwanzig Mal, weil für Stadtteile zusätzliche Öffnungsmöglichkeiten gegeben sind. Wer am letzten Sonntag mit offenen Augen durch die Stadt ging, die Menschenmassen beobachtet hat, die sich in den Straßen, Läden und Restaurants drängten und der Innenstadt einen volksfestartigen Charakter verliehen, zweifelt daran, dass die Besucher, darunter viele von außerhalb, auch junge Familien mit Kindern, einen bleibenden seelischen Schaden erlitten haben. Ich halte die mehrheitliche Entscheidung des Gemeinderats für einen fatalen Irrtum. Sie konterkariert die vielfältigen Bemühungen um eine Attraktivierung der Innenstadt, zieht dringend benötigte Kaufkraft von der Stadt ab und verhindert zusätzliche Kaufkraft von außerhalb. Die benachbarten Städte und Gemeinden werden ihre Chance zu nutzen wissen. Aber immerhin: 2009 wird Pforzheim sonntags eine saubere Stadt bleiben, zumindest moralisch – und leer sein.
Dr. Joachim Rösch, SPD-Stadtrat Pforzheim





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