Sind sie nun parallele Fälle oder nicht, die frühere Pforzheimer Oberbürgermeisterin Christel Augenstein (FDP) und ihr politischer Förderer, der frühere baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU)? Ein Kollege hat vergangene Woche beim Plaudern genau diese These vertreten. Beide, Mappus wie Augenstein, hätten im Verlauf ihrer Karriere zusehends mehr zu Eigensinn geneigt. Beide seien am Ende abgewählt worden. Beide sehen sich dem Vorwurf der Untreue gegenüber – mit dem allerdings bedeutenden Unterschied, dass die Staatsanwaltschaft gegen Mappus lediglich ermittelt, während die Anklage gegen Augenstein erhoben ist.
[Video] Derivate: Anklage gegen Ex-OB Christel Augenstein Aber in beiden Fällen geht es um Geschäfte, die sie im Amte tätigten (er für den EnBW-Deal, sie für die Derivate). Beide Geschäfte kosteten im Ergebnis viel Geld, Beide kamen auf unrechtmäßige Weise zustande – vor allem, weil sie am jeweiligen Parlament vorbei getätigt wurden – auch wenn Landtag wie Gemeinderat danach zunächst mit großer Mehrheit sehr angetan waren. Und beide haben sich auf Vertraute verlassen. Den Einwand, dass dennoch beide von Erscheinungsbild und Naturell her so sehr unterschiedlich seien, den mochte der Kollege nicht gelten lassen. Diese Woche hat er einen weiteren, nicht zu unterschätzenden Anhaltspunkt für seine Ähnlichkeitstheorie geliefert bekommen: In beiden Fällen sind erhebliche Provisionen geflossen. [Video] Razzia bei Stefan Mappus: Untreue bei EnBW-Deal?[Bildergalerie] Christel Augenstein als Oberbürgermeisterin verabschiedet Stefan Mappus’ politischer Jugendfreund Dirk Notheis hat als Chefbanker der Investmentbank Morgan Stanley dem Land Baden-Württemberg 12,3 Millionen Euro Provision dafür in Rechnung gestellt, dass die Bank den Rückkauf der EnBW-Anteile betreut hat. Und die zuständigen Leute erst der Deutschen Bank und dann von J.P. Morgan haben der Stadt Pforzheim 14,3 Millionen Euro dafür in Rechnung gestellt, dass die Stadt unter Oberbürgermeisterin Augenstein und Stadtkämmerin Susanne Weishaar die verbotenen und verlustreichen Derivate-Geschäfte abschließen durfte. [Bildergalerie] Stefan Mappus geht: Stationen einer KarriereJa, bei beiden
29%
Nein, nur in einem Fall
4%
Nein, das waren andere Gründe
66%
Weiß nicht
1%
Aber das ist wie mit den Parallelen zwischen Augenstein und Mappus: Man lernt halt nie aus.

