

Glück kann manchmal ganz schön anstrengend sein. Oder besser gesagt, die unzähligen Möglichkeiten in Schömberg, Glücksmomente erleben zu können. Das habe ich an dem einen oder anderen Abend bei der Schömberger Glückswoche zugegebenermaßen schon gedacht.
Und doch bin ich jeden Morgen in der vergangenen Woche aufgewacht und habe mich auf das Gefühl gefreut, Situationen zu erleben, in denen Menschen sattsam zufrieden, ja regelrecht glücklich erscheinen, bei dem was sie gerade tun, erfahren oder empfinden. Wie bei einer kleinen Drehung am Kaleidoskop gab es für mich in dieser Zeit immer neue Bilder, was so ein Zipfelchen Glück bedeuten kann. Hier eine 70-Jährige, die in einer gut 1000-köpfigen Gemeinschaft mit Gotthilf Fischer Lieder singt und deswegen auch noch Tage später beim Erzählen übers ganze Gesicht strahlt. Dort ein Kind, völlig versunken in der Erfahrung der eigenen Stärke, beim Balanceakt über eine Stange.
Es gab in dieser erstmals veranstalteten Glückswoche in der 8500-Einwohnergemeinde im Kreis Calw für Besucher eine schier überbordende Anzahl an Möglichkeiten, Glücksmomente erleben zu können. Für jeden Geschmack war etwas dabei. Mehr als 100 Veranstaltungen hat das Team der Touristik und Kur mit Unterstützung der Bürger, Vereine, Gastronomie und Hotellerie, Einzelhandel und Unternehmer für diese Woche auf die Beine gestellt: Konzerte, Glücks-Trommeln, Nordic Walking, Lesungen, Ausstellungen, Vorträge, Aufführungen der bhutanischen Tanzgruppe, kulinarische Meile und, und, und standen auf dem Programm. In der gesamten Woche lag in der Gemeinde und in ihren Teilorten etwas in der Luft, das nicht einfach zu beschreiben ist: Es war eine Art Euphorie und ein Erstaunen darüber, dass es eigentlich gar nicht so viel fürs Wohlbefinden im Hier und Jetzt braucht.
Ich habe in dieser Zeit viel häufiger als sonst in Gesichter geschaut, die lächeln. Hatte viele Begegnungen und Gespräche mit Menschen, die ich bislang nicht kannte, und mit denen ich mich im gemeinsamen Erlebnis mehr als nur wohl gefühlt habe. Die Bestätigung dafür haben übrigens die Psychologen, Philosophen und Autoren in ihren Vorträgen in unterschiedlicher Ausprägung gegeben. Aufmerksamkeit, Wertschätzung und das Bewusstmachen auch von kleinen Dingen, sind der Schlüssel dafür, glücklich zu sein. Dieses Gefühl lässt sich offensichtlich trainieren.
Zugegebenermaßen, ich war anfangs, wie etliche andere auch skeptisch was bei der Glückswoche rüberkommt. Jetzt bin ich froh, dass Schömberg den Versuch gewagt hat, Besuchern mit seinem vielfältigen Angebot eine oder gleich mehrere Trainingsmöglichkeiten zu bieten – auch wenn das mitunter schon ganz schön anstrengend war.Viola Krauss





Das lesen Abonnenten am Donnerstag exklusiv in Ihrer "Pforzheimer Zeitung":