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05.08.2009

Missbrauch der Abwrackprämie

Genau genommen sind die Betrüger, die alte Autos ins Ausland verscherbeln, statt sie abzuwracken, so etwas wie Umweltengel. Denn es ist aus Umweltgesichtspunkten allemal besser ein altes Auto so lange zu fahren bis es auseinanderfällt, statt ein fahrbereites zu verschrotten und ein neues dafür zu bauen. So eklatant war die Verringerung der Abgaswerte in den letzten zehn Jahren nämlich nicht, dass die Verbesserung auf dieser Seite die Ressourcenverschwendung auf der anderen rechtfertigen würde.

Über den zweifelhaften, aber vielbeschworenen Umweltnutzen der Abwrackprämie kann man sich ärgern. Der wahre Skandal aber ist, dass auf politischer Ebene ein halbes Jahr lang nichts passiert ist, obwohl durch Medienrecherchen seit Januar bekannt war, wie leicht es ist, die Prämie einzustecken und die Autos trotzdem weiterzuverkaufen.
Hier fließt Steuergeld, das zuvor von hart arbeitenden Bürgern erwirtschaftet wurde, in kriminelle Kanäle. Und Peer Steinbrücks „Dem wird man nachgehen müssen“ macht nicht viel Hoffnung, dass sich daran etwas ändert. Übersetzt heißen die Worte des Bundesfinanzministers wohl: „Soll sich drum kümmern wer will.“ Denn: Die Erfolgsaussichten bei der Verbrecherjagd dürften gering sein und Ende des Jahres läuft die Prämie sowieso aus.