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12.01.2010

Missbrauch der Zeitarbeit

Dass die Politik schnell reagieren kann, hat sie bei der Rettung der Banken und der Verabschiedung des Konjunkturpakets bewiesen. In Sachen Zeitarbeit muss jetzt genauso schnell eine Gesetzesänderung kommen, denn der Missbrauch ist offensichtlich.

Gedacht war die Zeitarbeit, um Produktionsspitzen, Urlaubszeiten oder krankheitsbedingte Ausfälle zu überbrücken. Genutzt wird sie in vielen Unternehmen, um in großem Stil Festangestellte zu ersetzen, um Tariflöhne zu unterlaufen, um Kosten zu drücken – auf dem Rücken der Arbeitnehmer.
Warum CDU-Arbeitsministerin Ursula von der Leyen angesichts dieser lange bekannten und bei Schlecker aktuell diskutierten Zustände jetzt erst noch prüfen will, ob da „Schlupflöcher sind, die nicht im Sinne des Gesetzgebers sind“, bleibt ihr Geheimnis.

Je länger die schwarz-gelbe Koalition noch zögert, desto mehr manifestiert sich die Zwei-Klassen-Gesellschaft auf dem Arbeitsmarkt, desto mehr gerät das soziale Gleichgewicht aus der Balance. Es droht die Gefahr, dass sich Unternehmen im Aufschwung nach der Krise mehr als zuvor auf dem Zeitarbeitsmarkt bedienen, statt Personal fest anzustellen.
Ein Mindestlohn für die Zeitarbeitsbranche, wie ihn die SPD fordert, hilft aber auch nicht viel, zumal der sich nur knapp oberhalb der Grenze zur Ausbeutung bewegen dürfte.
Nein, die Bundesregierung müsste nur einmal einen Blick nach Frankreich werfen. Dort müssen Zeitarbeiter mehr verdienen, als Festangestellte – quasi als Bonus für ihre Flexibilität und die in Kauf genommene Unsicherheit. Gleichzeitig ist diese gesetzliche Regelung ein starker Anreiz für Unternehmen, fähige Arbeiter in eine Festanstellung zu übernehmen. Das wäre durchaus auch ein Modell für Deutschland.