Ihr Spitzname war „Diddl“: die Angeklagte Beate Zschäpe im Gerichtssaal des Oberlandesgerichts in München.
Ihr Spitzname war „Diddl“: die Angeklagte Beate Zschäpe im Gerichtssaal des Oberlandesgerichts in München.

NSU-Angeklagte Zschäpe als die nette Nachbarin von nebenan

München. Nein, etwas Schlechtes fällt ihm nicht ein, das er über Beate Zschäpe sagen könnte. „Sie war eine liebe, gute Nachbarin“, sagt Olaf B. am Mittwoch vor dem Oberlandesgericht München über die Frau, die Mittäterin an zehn Morden, 15 Raubüberfällen und zwei Sprengstoffanschlägen sein soll.

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Drei Jahre lang hat der 44-Jährige mit Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, den mutmaßlichen Mitgliedern des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU), im selben Haus an der Frühlingsstraße 26 in Zwickau gelebt. Er im Dachgeschoss links, sie in der Wohnung rechts darunter.

Allerdings wusste er nicht, dass seine Nachbarn Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt heißen. Zschäpe habe sich als „Susann Dienelt“ vorgestellt, sagt Olaf B. vor Gericht. Die Männer seien ihr Freund und dessen Bruder, habe Dienelt alias Zschäpe gleich bei ihrem Einzug 1998 erklärt. „Damit kein blödes Gerede entstehe.“ Wie die Männer hießen oder sich zumindest genannt haben, will Olaf B. nie erfahren haben. Er freute sich, wenn Zschäpe immer mal wieder bei seiner Männerrunde im Keller vorbeischaute. „Wir waren froh, wenn eine schöne Frau mit dabei sitzt“, sagt er. Olaf B. und seine Bekannten saßen dort bald täglich, tranken Bier, rauchten, schauten Fußball. Zschäpe trank Sekt, Prosecco oder Wein. Sie unterhielten sich „über Gott und die Welt“, rissen Blondinenwitze. Über Politik sei nicht gesprochen worden. Auch nicht über Ausländer. Dass auf dem Fernseher ein Porträt von Adolf Hitler stand, daran störte sich niemand. Auch Zschäpe habe es nie kommentiert.

Das Hitler-Bild sei „ein Andenken“ an einen toten Bekannten, sagt Olaf B. Der Freund habe direkt über der Wohnung von Zschäpe gewohnt. Als er starb, nahm Olaf B. das Bild an sich. Auch dass B. einen Jutesack aus der Nazizeit mit Hakenkreuzen und ein Militärfahrzeug mit Eisernen Kreuzen hat, habe nichts mit seiner politischen Einstellung zu tun, sagt er. Und dass er sich an der griechischen Taverne im Erdgeschoss gestört habe, weil er „ein kleiner Knoblauchfeind“ sei, will er nicht als Rassismus verstanden wissen. Auch Zschäpe soll sich „über den Griechen aufgeregt“ haben und darüber, „dass es immer so stinken würde“.

Olaf B. scheint von Zschäpe recht angetan gewesen zu sein. Er hat nicht vergessen, dass sie den Männern vorm Haus mal eine Familienpizza brachte, damit sie sich einen schönen Abend machten. Er nannte sie „Diddl-Maus“. Und es wirkt, als sei er ihr noch heute wohlgesonnen. Man hört es an dem Unterton, mit dem Olaf B. sagt, wie er auf den Spitznamen gekommen ist. Diddl angelehnt an Dienelt und das Kosewort Maus. „Und das Plüschtier Diddl-Maus ist ja auch hübsch anzusehen“, sagt er noch. Zschäpe lächelt. Sie sitzt wenige Meter neben Olaf B. auf der Anklagebank.

Meist donnerstags sei Zschäpes angebliche Schwester mit Mann und zwei Kindern vorbeigekommen. Die Frau hat er später auf Fotos als Susann E. wiedererkannt, die Frau von André E., einem der Angeklagten im NSU-Prozess. Ihn aber erkennt er an diesem Tag vor Gericht nicht.

Von Böhnhardt und Mundlos habe er wenig mitbekommen, sagt B. Sie hätten sich kurz gegrüßt. Mehr nicht. Zschäpe erzählte, die beiden würden in der Firma ihres Onkels arbeiten und „Autos überführen“. So habe sich der Nachbar nicht gewundert, wenn ständig neue Autos vor dem Haus standen. Für ihn klang Zschäpes Erklärung „plausibel“. Wie eigentlich alles, was sie sagte.

Anfang November 2011 stand auch das Wohnmobil an der Frühlingsstraße, in dem sich Mundlos und Böhnhardt in Eisenach erschossen. „Ich habe sie da gefragt, ob es schon wieder in den Urlaub geht“, gab Olaf B. in einer Vernehmung gegenüber der Polizei an. Zschäpe habe dies verneint und gesagt, „die Jungs“ müssten Autos überführen.

Dass er seine Wohnung und viele persönliche Gegenstände verloren hat, weil Zschäpe das Haus nach dem Tod ihrer Mitbewohner am 4. November 2011 in Brand gesetzt hat, scheint Olaf B. ihr jedenfalls nicht übel zu nehmen. Olaf B.: „Schwamm drüber!“

Autor: Wiebke Ramm

25.07.2013
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