

PFORZHEIM. Ein jugendlicher Mehrfachtäter hat in der Nordstadt einen 19-Jährigen niedergestochen. Der Täter ist auf der Flucht. Die Polizei will dennoch nicht von einer Auseinandersetzung zwischen Jugendbanden sprechen.
Es war ein Vorfall, den die Polizei zunächst verschwieg. Doch wer Zeuge des Großaufgebots an Ordnungshütern am Freitag vergangener Woche auf dem Rewe-Parkplatz in der Pforzheimer Nordstadt geworden war, fragte sich: Warum liest man nichts darüber? „Die Ermittlungen laufen“, sagt Polizeihauptkommissar Thomas Fränkle, Leiter des Bezirksdienstes im Revier Nord. Auf Nachfrage ist immerhin so viel zu erfahren: Zwei Cliquen stießen aufeinander. Ein 16-Jähriger und ein 19-Jähriger gerieten zunächst verbal in Streit. Dann zog der Jüngere ein Messer und stach es seinem Kontrahenten oberhalb des Gesäßes in den Rücken. Der Täter flüchtete. Er ist als Mehrfachtäter polizeibekannt. Aber man hat ihn noch nicht gefasst.
Sei zunächst ein versuchtes Tötungsdelikt angenommen worden, werde nun „nur“ wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt, so Fränkle. Nach PZ-Informationen ist auch das Opfer kein unbeschriebenes Blatt. Bis vor ein paar Wochen kamen die beiden noch prima miteinander aus.
Das Wort „Bande“ kommt Fränkle ebenso wenig über die Lippen wie Kriminalhauptkommissar Rüdiger Schilling. Er ist zuständig für Prävention und – zusammen mit Martin Steiner, dem Referenten des Ersten Bürgermeisters Roger Heidt – Leiter einer Arbeitsgruppe, die für den „runden Tisch“ in der Nordstadt Präventionsideen entwickeln soll.
„Es sind Cliquen, keine Gangs“, sagt Schilling – nicht strukturiert, unorganisiert, ständig wechselnde Besetzung. „Die letzte wirkliche Bande, das war die sogenannte Haidach-Gang“, sagt Fränkle. Er erinnert sich an jenen abgeschotteten Zirkel von jungen Spätaussiedlern, die Ende der 80er-Jahre im Stadtteil Haidach ihr Unwesen trieben: brutale körperliche Gewalt, Drogen, Waffenbesitz, Erpressung. Die Täter wurden in spektakulären Prozessen zu teils mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. „Die Jungs kamen tatsächlich aus einem Stadtteil“, erinnert sich Schilling. Heute dagegen lasse sich keine geografische Abgrenzung mehr treffen. Man ist mobil, trifft sich mal hier, mal dort.
In der Nordstadt komme hinzu, so Schilling, dass es sich um eine „typische Innenstadtrandlage“ handle, dazu noch mit Hauptbahnhof und ZOB Nord als Orten mit hohem Personenaufkommen. Schnell komme ein „gruppendynamischer Prozess“ (Fränkle) in Gang, wenn eine Gruppe auf die andere treffe, „dann scheppert’s halt mal“.
Autor: Olaf Lorch-Gerstenmaier





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Leserkommentare (21)
Mehr KommentareWer einem mit dem Messer in den Rücken sticht, nimmt zumindest seinen tod billigend in Kauf. Warum des hier jetzt von der Polizei so verhamlost wird ist mir ein Rätsel. Gescheppert, wie es der Herr Fränkle sagt, hat es früher auch mal nur waren damals keine Messer im Spiel. mehr...
[B]Der Täter sticht in den Rücken![/B] Das ist normalerweise ein Mordmerkmal, nämlich [B]Heimtücke[/B]! Und die Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung! [B]Unglaublich![/B] Da hat der Mehrfachtäter ja eine große Chance auf ein Anti-Aggressionstraining in der Karibik auf Kosten der Steuerzahler anstatt hier seine zehn Sozialstunden abzustitzen! :confused: mehr...
Wir haben doch offiziell nur fünf Prozent Migranten mit "Südländerhintergrund" hier in Deutschland. Und wenn ich in der Schule richtig aufgepasst habe, dann wäre es statistisch normal wenn die Beteiligung dieses Bevölkerungsteiles bei Messerstechereien auch fünf Prozent wäre. Jede Abweichung von dieser Zahl wäre statistisch ein Zeichen, dass eine bestimme Bevölkerungsgruppe vermehrt mit Messern in der Öffentlichkeit “arbeiten” würde. Ich muss Herrn Apsera recht geben. ...... mehr...