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01.09.2008

Nachfolgeregelung in Bayreuth

Wagner hat es trotz angeschlagener Gesundheit geschafft. Während Gott Wotan sich im „Ring des Nibelungen“ im Gestrüpp der Verträge letztlich hoffnungslos verheddert, hat Wolfgang Wagner seine vertraglich gesicherte Machtposition als Leiter der Bayreuther Festspiele zäh verteidigt und am Ende doch seine selbst im Bayreuther Umfeld nicht unumstrittene Tochter Katharina durchgesetzt. Ob, wie hinter den Kulissen behauptet, Wagners Rücktritt an die Bestallung seiner Tochter gekoppelt war, wird sich wahrscheinlich nie klären lassen. Dass dies nur als Tandemlösung mit Eva Wagner-Pasquier möglich war, dürfte für ihn hinnehmbar sein. Immerhin ist Katharina über 30 Jahre jünger und hat die Zukunft vor sich.

Eingeschränkte Perspektive

Die späte Bewerbung des Duos Niki Wagner und Gérard Mortier hatte wohl nie eine echte Chance. Dabei hätten diese beiden sicher eher neue Impulse für die seit einigen Jahren künstlerisch erstarrten Festspiele geben können als diesozusagen im Festspielhaus aufgewachsene Katharina. So kann man höchstens auf Reförmchen und die angekündigte Steigerung der musikalischen Qualität hoffen, an der es schon seit den 1980er- Jahren Kritik gab. Einer grundsätzliche Neuorientierung Bayreuths wurde durch diese Wahl eine klare Absage erteilt.