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03.09.2008

Neues Schuljahr

Wer mit dem Gedanken an die Bildungsoffensive der Landesregierung im Hinterkopf nach dem Motto „Jetzt wird alles gut“ voller Hoffnung ins neue Schuljahr startet, wird schnell ernüchtert werden. Geändert oder auch verbessert im schulischen Alltag hat sich über die Sommerferien nämlich – von ein paar Neuerungen abgesehen – praktisch nichts.

Kann ja auch gar nicht. Denn wer im Bildungswesen etwas verändern will, braucht neben viel Geld nach wie vor einen langen Atem – zehn Jahre etwa, schätzt Kultusminister Helmut Rau, dauert es, bis Veränderungen sich durchgesetzt haben, spürbar und messbar werden. Das Beharrungsvermögen der beteiligten Kräfte und die systemimmanenten – etwa durchs Beamten-Dienstrecht bedingten - Bremskräfte sollten nicht unterschätzt werden; und was in der Wirtschaft längst eine Selbstverständlichkeit ist – etwa Qualitätssicherung und - prüfung – gilt manchem Bildungsschaffenden als Revolution und Affront gleichermaßen.
Mag auch das dreigliedrige Schulsystem von vielen als überholt, die Hauptschule als Auslaufmodell betrachtet werden – in Baden-Württemberg ist beides Status quo und das Festhalten daran erklärter Wille der tragenden Regierungspartei CDU. Und dennoch wurde innerhalb dieser Grenzen zuletzt einiges auf den Weg gebracht, was vor kurzem noch undenkbar erschien. Das verdient Anerkennung, auch wenn die Auswirkungen der Maßnahmen noch nicht sichtbar sind. Die Richtung mag vielen nicht passen – aber von einem Stillstand im baden-württembergischen Bildungssystem oder davon, dass die Bedeutung dieses Themas verschlafen worden sei, kann nicht die Rede sein.
Bildungspolitik lässt sich zwar täglich aufs Neue kritisieren und bewerten, aber nicht im gleichen Takt verändern. Es tut gut, das im Hinterkopf zu behalten, wenn mit dem neuen Schuljahr auch die Klagen über Verhältnisse mancherorts oder auch Standort- und Strukturdebatten wieder aufleben.