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22.05.2008

Neues VW-Gesetz

Für Porsche-Chef Wendelin Wiedeking läuft’s nie reibungslos, wenn es um sein Engagement bei VW geht. Querschüsse aus Wolfsburg dürfte der Manager gewohnt sein – denkt man nur an die anhaltenden Querelen mit den Volkswagen-Betriebsräten, die mehr Mitbestimmungsrecht in der neu gegründeten europäischen Porsche-AG fordern.

Seit gestern scheint es, als stelle sich nun auch die Bundesregierung gegen die Pläne, die der Stuttgarter Sportwagenbauer als wichtigster VW-Aktionär hat. Immerhin formulierte Wiedeking ein ehrgeiziges Ziel: VW soll auf Toyota-Niveau getrimmt werden. Im Klartext: Bei Produktivität und Qualität, bei Absatz und Umsatz sollen die Wolfsburger an die automobile Spitzenriege der Welt gehievt werden.
Dass dabei nicht so weiter gewirtschaftet werden kann wie bisher, ist klar. Deshalb müssen die alten Zöpfe ab. Einer davon ist das Vetorecht von Niedersachsen, das im neuen VW-Gesetz verankert werden soll. Die Hannoveraner Landesregierung könnte nämlich aus rein politischen Interessen jedwede von wirtschaftlicher Vernunft getragene Entscheidung kippen. Dieses Modell steht damit jeder vernünftigen Strategie im Wege.
Einziger Verbündeter von Wiedeking beim Bemühen, überkommene VW-Traditionen abzuschaffen, ist offenbar Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy von der Europäischen Union. Er sieht das Minderheiten-Einspruchsrecht von Niedersachsen als nicht EU-konform und drohte der Bundesregierung bereits mit dem Europäischen Gerichtshof. Insofern könnte der Porsche-Chef am Ende den Erfolg doch noch für sich verbuchen. Was er indes bei VW gelernt haben dürfte; es braucht viel Geduld.