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08.08.2008

Olympische Spiele in Peking eröffnet

In Peking hat ein Spektakel begonnen, das einige Heuchler noch immer als Fest des Sports und der Jugend bezeichnen. Dabei wissen sie genau, dass es sich in Wirklichkeit um Spiele des Geldes zur Stabilisierung von Wirtschaftsbeziehungen handelt. Auch in vielen westlichen Regierungszentralen werden so handfeste Werte inzwischen höher gehandelt als die Grundrechte.

Selbst die Sportler haben auf Politiker und Funktionäre keinen Einfluss. Sie können die ihnen diktierten Bedingungen akzeptieren oder ihren Traum von olympischen Ehren begraben. Eine Alternative zu den politisch gewollten Wettkämpfen gibt es nicht, im Gegenteil: Auch für Sportler wird die olympische Familie immer attraktiver, weil sie ständig wohlhabender wird.

Natürlich darf ein Milliardenvolk nicht auf die politischen Aspekte reduziert werden. Ein Boykott etwa würde den Menschen nicht gerecht, von denen sehr viele tagtäglich nicht nur für ihre demokratischen Rechte kämpfen, sondern schlicht auch ums Überleben. Für sie immerhin werden die Spiele schon auf mittlere Sicht spürbare Erleichterungen bringen. Blenden wir bei aller berechtigten Kritik an der Regierung in Peking auch nicht aus, dass China in den vergangenen Jahren bedeutende gesellschaftliche Fortschritte erzielt hat.

Erinnern wir uns: Vor nur einer Generation glichen die Chinesen noch einem Volk blauer Ameisen – von der Kommunistischen Partei gleichgeschaltet und vom Rest der Welt isoliert. Bis Anfang der 80er-Jahre herrschte noch das kollektive Elend. Der Fortschritt seither ist beispiellos; er beeinflusst ganz ohne Zweifel auch die politische Entwicklung, weil sie – kaum kontrollierbar – kulturelle Freiräume schafft.

Der Riese bewegt sich langsam, aber er bewegt sich. Die Wahrnehmungen aus China haben auch Nuancen, und der Bambusvorhang ist nicht mehr undurchdringlich. Die Chinesen haben heute mehr Freiheiten als vor zehn Jahren. Sie reisen ins Ausland, ob als Touristen, Studenten oder auf Arbeitssuche. Dass China freilich noch einen weiten Weg vor sich hat, steht auf einem anderen Blatt.

Die Machthaber in Peking indes scheren sich bisher wenig um die Meinung der übrigen Welt, ob es nun um die Menschenrechte, Tibet, Darfur oder Birma geht. Viele Chinesen bekommen nicht einmal etwas von Protesten mit. Nur der offizielle Standpunkt zu Tibet ist erlaubt, das Internet ist zensiert.

Dennoch haben mehr als 80 Staats- und Regierungschefs zur Eröffnung der Olympischen Spiele der chinesischen Regierung ihre Aufwartung gemacht – und damit verdeutlicht, wie sehr sie der Verlust milliardenschwerer Aufträgen schmerzen würde. Wer vor diesem Hintergrund behauptet, „Bejing 2008“ seien ausschließlich sportliche Wettkämpfe, heuchelt entweder oder blendet diesen Teil der Wahrheit aus.