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13.08.2008

Olympische Zwischenbilanz

Tricksen und täuschen – das scheint das Motto der chinesischen Olympia-Organisatoren zu sein. Nach Strich und Faden wird die Weltöffentlichkeit von den Machern aus Peking belogen. Die Feuerwerks-Fußabdrücke bei der Eröffnungsfeier? Größtenteils computeranimiert und vorproduziert. Die chinesische Hymne zum Einmarsch? Gesungen von einem Mädchen, das den Verantwortlichen nicht hübsch genug war und für die Fernsehübertragung durch eine telegenere Siebenjährige ersetzt wurde. Kleinigkeiten vielleicht, aber sie beweisen, dass die chinesische Führung alles – wirklich alles – dafür tut, den schönen Schein zu wahren.

Tibetische Mönche, die sonst in Peking im Park der Minderheiten, einer Touristenattraktion, wohnen – der Stadt verwiesen. Zeng Jinyan, die Frau eines eingesperrten, bekannten chinesischen Bürgerrechtlers – seit Beginn der Spiele spurlos verschwunden.
Aufgrund der strikten Zensurpolitik – die von westlichen Medien schon bitter beklagt wird, chinesische Medien aber noch viel härter trifft – ist davon auszugehen, dass die Öffentlichkeit nur vom kleinsten Teil der Maßnahmen erfährt, die das Regime in Peking ergreift, um im Glanz der Spiele das chinesische Image aufpolieren zu können.
Die Bewunderung, die beim IOC für das chinesische Vorgehen mitschwingt, ist erschreckend. Sie wirft ein Licht darauf, wie die Herren der Ringe ihren eigenen Laden gerne organisiert hätten: diktatorisch straff und bitte ohne Widerworte von den Athleten. Längst hat sich der einstige Sportverband in ein Wirtschaftsunternehmen verwandelt. Und damit der Rubel ungestört rollt, ist Harmonie nötig, um die Sponsoren zufrieden zu stellen.
Dass aber auch noch der in China weilende Sportausschussvorsitzende des Deutschen Bundestags, Peter Danckert, das Thema Menschenrechte („Das werden wir hier nicht mehr anrühren, das haben wir im Vorfeld gemacht“) auf dem Altar des Sports opfert, ist eine Frechheit. Genauso wie seine Kritik an Bundeskanzlerin Merkel dafür, dass sie – aus guten Gründen – den Spielen fernbleibt.