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30.07.2009

PZ-Redakteur Gerd Lache zur Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt

Bundesarbeitsminister Olaf Scholz spricht in überzogener Euphorie von einer kleinen Sensation. Der Pforzheimer Arbeitsagenturchef Walter Reiber gibt sich wenigstens bescheiden und erahnt lediglich ein kleines Zeichen wirtschaftlicher Erholung. So oder so: Echte Signale der Entspannung sind längst nicht zu erkennen. Der Herbst könnte noch böse Überraschungen mit sich bringen – auch im Hinblick auf zu befürchtende Negativentwicklungen bei Unternehmen in Pforzheim und im Enzkreis.

Ja sicher, die Arbeitsmarktzahlen sind für den Juli nicht so gravierend schlecht ausgefallen, wie ursprünglich befürchtet. Allerdings wurde durch verschiedene Maßnahmen schon seit längerem daran gedreht, dass das monatlich veröffentlichte Zahlenwerk der Arbeitsagenturen besser erscheint, als die Realität aussieht.
Zum Beispiel durch eine weitere Änderung der Statistik: Wer seit Mai über einen privaten Arbeitsvermittler einen Job sucht, weil ihm die Arbeitsagentur nicht weiterhelfen kann, der gilt in der amtlichen Erfassungsmethode nicht mehr als Arbeitsloser. Das verstehe wer will. Jedenfalls dient diese Zahlentrickserei dazu, geschönte Ergebnisse zu liefern – abgesehen davon, dass es eine Respektlosigkeit der Politiker gegenüber den Betroffenen ist, sie und ihr Schicksal nicht zur Kenntnis zu nehmen.
Ein weiteres Beispiel: Kurzarbeit. Bundesweit ebenso wie in der Region Nordschwarzwald steigt der Anteil jener Unternehmen, die sich statt für Entlassungen lieber für eine staatlich subventionierte Produktionspause entscheiden. Das ist auch gut so, weil die Beschäftigten damit nicht auf die Straße gesetzt werden.
Andererseits verwässert Kurzarbeit jedoch die tatsächliche Situation am Arbeitsmarkt. Ohne dieses Instrument wäre die Arbeitslosenquote um einiges höher – und zumindest Arbeitsminister Olaf Scholz um eine kleine Sensation ärmer. Von einer solchen ist die wirkliche Welt ohnehin noch weit entfernt.