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26.03.2009

Peinliche Panne beim „Phantom“?

Es wäre der Super-Gau nicht nur für die SoKo „Parkplatz“, die seit fast genau zwei Jahren mit nichts anderem befasst ist, als den Polizistinnen-Mord von Heilbronn aufzuklären. Hinter dem „Phantom“, der „Frau ohne Gesicht“, Europas meistgesuchter Serientäterin, die angeblich seit 14 Jahren an 39 verschiedenen Tatorten in mehreren europäischen Ländern ihre DNA-Spuren hinterlassen hat, steht nichts anderes als ein paar Dutzend mit DNA-Spuren verunreinigte Wattestäbchen?

Noch ist es zu früh für ein abschließendes Urteil. Aber sollte sich dieser offenbar berechtigte Verdacht bestätigen, haben Polizei und Justizbehörden in Baden-Württemberg mehr als nur ein Erklärungsproblem. Sie hätten einen veritablen Skandal am Hals.
Folgenschwer
Das kleinste Problem daran wäre noch, dass sich Polizei und Justiz dem Vorwurf stellen müssen, sich lächerlich gemacht zu haben – ein beispielloser Imageschaden, der die engagierte Arbeit, die überall von Polizeibeamten geleistet wird, überdeckt. Auch die Frage, wie so etwas passieren kann, wäre zweitrangig. Schlimmer wäre, dass in Folge dieses Skandals die gesamte Heranziehung der DNA-Analyse durch Ermittlungsbehörden neuen Fragestellungen unterworfen werden müsste; ganz zu schweigen von Fällen, die eventuell wieder aufgerollt werden müssten.
Der politische Skandal aber ist, dass das baden-württembergische Innenministerium jetzt einräumen musste, dieser Verdacht bestehe bereits seit April 2008 und werde seitdem „intensiv“ verfolgt. Seit einem Jahr ergebnislos „intensiv“ verfolgt – und nur sechs Wochen, nachdem das Landeskriminalamt die Federführung der Ermittlungen übernommen hat, kommen diese Erkenntnisse auf den Tisch und das „Phantom“ löst sich in Watte auf?
Da müssen sich Innenminister Heribert Rech und die baden-württembergische Polizeispitze bessere Antworten überlegen als die Aussage, den Beamten sei keinerlei Vorwurf zu machen. Für letztere zumindest wäre in diesem Fall eine Frage ganz sicher beantwortet: Wo die SoKo „Parkplatz“ denn eigentlich mit ihren Ermittlungen steht. Nämlich wieder ganz am Anfang.