

PFORZHEIM. Der Wirtschaftfördergesellschaft (WFG) Nordschwarzwald steht wieder ein Chefwechsel bevor. Zum Jahresende läuft der Geschäftsführer-Vertrag von Professor Norbert Höptner aus. Er wird ihn nicht verlängern.
Stefan Kieffer, Wolfgang Daum, Michael Gutjahr, Michael Keller und zuletzt Norbert Höptner – seit Gründung der Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald GmbH (WFG) im Jahr 1996 hatte die regionübergreifende Organisation einen bewegten Personalwechsel an ihrer Spitze erlebt. Die WFG wurde entweder von Beauftragten oder Geschäftsführern geleitet. Zeitweise drohte die Gesellschaft an Personalquerelen und unterschiedlichen Strategiefragen zu scheitern.
Im Jahr 2005 übernahm der ehemalige Pforzheimer Fachhochschul-Rektor Norbert Höptner das Ruder und brachte damit „wieder Ruhe in die WFG rein“, wie Enzkreis-Landrat Karl Röckinger am Freitag gegenüber der PZ sagte. Höptner, ebenso wie seine Stellvertreterin Claudia Stöhrle, stehen beim Steinbeiß-Europa-Zentrum auf der Gehaltsliste. Dieses wiederum hat mit der WFG einen so genannten Geschäftsbesorgungsvertrag geschlossen, der unter anderem vorsieht, dass Höptner die Geschäfte der Wirtschaftsfördergesellschaft führt. Eingeräumter Zeitaufwand für diese Tätigkeit: rund einen Tag pro Woche. Sowohl Geschäftsbesorgungsvertrag wie auch Geschäftsführervertrag laufen zum Ende dieses Jahres aus.
Nun beginnt sich das WFG-Personalkarrussell erneut zu drehen: Zumindest Höptner wird seinen Vertrag nicht mehr verlängern, wie er gestern im PZ-Gespräch sagte. Er gab „persönliche Gründe“ an, wurde aber auch konkret: „Das Zeitbudget ist nicht aufgegangen. Mit einem Tag pro Woche ist es nicht getan.“ Hinzu komme, dass seine Aufgaben als Direktor des Steinbeis-Europa-Zentrums sowie als Europabeauftragter des Wirtschaftsministers des Landes Baden-Württemberg zunehmend mehr Präsenz und Reisetätigkeiten erforderten.
Und dennoch sei die Arbeit der WFG erfolgreich gewesen, blickte Höptner resümierend zurück. Beispielhaft nannte er die Organisation der Nordschwarzwald-Präsentation in Berlin, die Einrichtung des Innovationsnetzes Kunststoff, Messeaktivitäten auf der Expo Real in München und auf der Hannover Messe sowie die Einführung des Nordschwarzwald-Cup, ein Planspielwettbewerb für Schülerinnen und Schüler sowie Auszubildende in den vier Landkreisen der Region.
Auch der Vorsitzende des WFG-Aufsichtsrates, der Calwer Landrat Hans-Werner Köblitz, lobte Höptners Arbeit, er habe sich bestens bewährt: „Ich hätte es gerne gesehen, wenn er seinen Vertrag verlängert hätte“, sagte Köblitz gestern auf PZ-Anfrage. Und er betonte: „Wir scheiden nicht im Groll.“ Zur Erinnerung: Der letzte Geschäftsführerwechsel war mit heftigen Kontroversen verbunden.
Und wie geht es mit der WFG im neuen Jahr ohne Höptner weiter? Darüber hielt sich der Aufsichtsratsvorsitzende noch bedeckt. Ende November werde es eine Sitzung geben, in der, so hoffe er, „grundlegende Entscheidungen getroffen werden“. Die Nachfolgefrage ließ Köblitz deshalb unbeantwortet, ebenso wie eine Kommentierung zu der Nachricht, dass sich Höptners Stellvertreterin Claudia Stöhrle für den Geschäftsführerposten interessiere. „Dies alles wird in der Aufsichtsratssitzung besprochen werden müssen.“
Zumindest Enzkreis-Landrat Röckinger attestierte Stöhrle, dass sie bisher „sehr motiviert gearbeitet und sich mit der WFG identifiziert hat“. Er machte aber auch deutlich, dass durch die Ära Höptner „die Meßlatte sehr hoch gelegt ist“.
Die Frage, ob das Konstrukt „Geschäftsbesorgungsvertrag mit dem Steinbeiß-Europa-Zentrum“ vom kommenden Jahr an beibehalten werden solle, dürfte ebenfalls auf der Tagesordnung der nächsten WFG-Aufsichtsratssitzung stehen, sagte Röckinger. Er wird übrigens vom 1. Februar 2010 an den Aufsichtsratsvorsitz von Köblitz übernehmen.
Burkhard Thost, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nordschwarzwald wies am Freitag im PZ-Gespräch auf die Bedeutung der WFG hin: Zum einen sorge sie für die notwendige Innen- und Außendarstellung der Region, zum anderen sei es eine der wenigen Einrichtungen, die mit ihrer Arbeit die gesamte Region erfasse.
Über die Nachfolge des Geschäftsführers meinte er: „Wichtig ist es, die hohe Qualität fortzusetzen.“ Und, erklärte er: „Man sollte verschiedene Möglichkeiten zur Prüfung haben.“ Thost kann sich durchaus eine Vollzeitkraft in dieser Tätigkeit vorstellen: „Das wäre wünschenswert.“ Seiner Ansicht nach wird die Aufgabe „bei nur einem Tag in der Woche den Anforderungen nicht gerecht“.
Die Zusammenarbeit mit dem Steinbeiß-Europa-Zentrum bezeichnete der IHK-Präsident als sehr fruchtbar, „es hat viele Verbindungen und Netzwerke geschaffen, die der Region zugute kommen“. Weder bei der Personalfrage noch bei der Zusammenarbeit will sich Thost unter Zeitdruck bringen lassen: „Es gibt verschiedene Modelle und die gilt es sorgfältig zu prüfen“, auch unter der Prämisse, dass zum 1. Januar 2010 der Geschäftsführerposten noch nicht besetzt sei. Immerhin, machte deutlich, „geht es um eine wichtige Zukunftsentscheidung für die Region.“
Autor: Gerd Lache





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