



PFORZHEIM. Die Freibad-Saison hat begonnen. Am Samstag öffnete das Nagoldbad seine Pforten. Knapp 90 Besucher kamen am ersten Tag. Tags darauf war das Wartbergbad dran. Hier verzeichnete man rund 110 Besucher.
„Brrr“, sagt Siegfried Nickerl, „jetzt hab’ ich Gänsehaut.“ Man sieht es. Er ist aus dem 50-Meter-Becken geklettert, rubbelt sich ab. 1500 Meter hat Nickerl auf dem Buckel. Das ist gar nichts. Normalerweise beweist der erfolgreiche SSC Sparta-Schwimmer das Doppelte, viermal in der Woche. Aber an diesem Vormittag ist das Wasser einfach noch zu kalt. 21 Grad steht auf der Tafel des Funktionsgebäudes des Wartbergbads. Wo die Sonne hinkomme, mögen es eineinhalb Grad wärmer sein, sagt Kenner Nickerl.
Aber immer noch zu kalt für Langstreckenschwimmer wie ihn und Oliver Erdmann. Beide sind Mitglieder des Fördervereins, der sich die Erhaltung des Freibads auf die Fahnen geschrieben hat. Erdmann ist der Vorsitzende. Auch er wird nachher ins Becken steigen und ein paar Bahnen ziehen, bevor er zum 1.-Mai-Ausflug ins Eyachtal geht. Es ist eine Stunde nach Öffnung des Bads, es mögen vier Dutzend Besucher gewesen sein in dieser Zeit. Im Nichtschwimmer-Becken tummeln sich zwei Buben.
Noch hat Rettungsschwimmer Olaf Normann, 19, nichts zu tun. Um 9 Uhr hat seine vier Stunden dauernde Schicht begonnen. Im vergangenen Jahr hat das Mitglied des Tauchclubs Pforzheim seinen Kurs zum Rettungsschwimmer absolviert – wie zehn Clubkameraden.
Auch andere Mitglieder des Fördervereins haben die Kurse abgeleistet. Insgesamt, sagt Erdmann, seien bisher 30 Schwimmer vom DLRG ausgebildet worden – „das sind noch zu wenig“. Am 4. Mai, sagt Claudia Wexel, Vorstandsmitglied des Förderverein, beginne ein neuer Kurs. „Es wäre auch in unserem eigenen Interesse“, sagt ein Vereinskamerad von Normann, der zugleich auch Mitarbeiter des Bäderamts ist, wenn das Wartbergbad weiter bestehen würde“. Immerhin trainieren hier die Unterwasserrugby-Spieler, und Lehrgänge des Nationalkaders wurden im Bad auch schon abgehalten.
Am Ende des ersten Bade-Tages ergibt ein Anruf an den Kassen: 114 Besucher. Im Nagoldbad waren es 65 – rund 20 weniger als am Eröffnungstag. An dem fand im übrigen für die Helfer des Wartbergbads am nahe liegenden Ort statt.
Zu denen, die sich fürs Wartbergbad eine Jahreskarte kaufen, zählt auch die Nordstädterin Vera Haueisen. Sie war über zwei Dutzend Jahre Hotelchefin des „Bareiss“ in Baiersbronn, ist nun selbstständige Tourismusberaterin und überzeugte Pforzheimerin. Haueisen hat die Berichterstattung der PZ verfolgt und lobt: „Es ist einmalig, wie die PZ das Thema publiziert und vor allem auch die Mitbürger in die Verantwortung nimmt. Es liegt zumindest teilweise in Bürgerhand, das Wartbergbad zu erhalten. Schaun mer mal, zu was der Bürgersinn alles fähig ist.“
Autor: Olaf Lorch-Gerstenmaier





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