




PFORZHEIM. Auf der Mess schiebt Oberbürgermeister Gert Hager Rollstühle. Hier verteilt die frühere CDU-Stadträtin Hella Marquardt Lebkuchenherzen an Benachteiligte, und Unternehmer Roland Rauschmayer wird geehrt.
Schausteller und Marktkaufleute ermöglichen jedes Jahr denen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen, einen Mess-Aufenthalt. Sie dürfen bei diesem Rundgang fahren und essen, was sie wollen. Die ehrenamtliche Organisatorin dieses Rundgangs seit dem Jahr 1976 und eine der Betreuerinnen ist frühere CDU-Stadträtin Hella Marquardt. Sie wird als „der gute Geist Pforzheims“ bezeichnet. Die Senioren und Behinderten lieben ihre Hella dafür, hängen ihr Herzchen mit der Aufschrift „Zauberwesen“ um den Hals, bekunden lautstark Beifall, wenn ihr Name im Festzelt erwähnt wird. Auch Oberbürgermeister Gert Hager klatscht mit. Zuvor hat ihm Hella ein Herz mit dem Namen „Engel“ umgehängt, „weil alles Engagement wenig nutzt, wenn man von den politischen Entscheidungsträgern nicht unterstützt wird“, so Marquardt. Wenn es um soziales Engagement geht, renne sie bei Gert Hager offene Türen ein. Er habe sie schon über Parteiengrenzen hinweg unterstützt und den Bedürftigen geholfen, als er noch kein Oberbürgermeister gewesen sei, sondern Sozialdezernent. „Was gibt es Schöneres, als in das glückliche Gesicht eines Menschen zu blicken, wenn er ein Lebkuchenherz erhält oder Riesenrad fahren darf?“, fragt Marquardt. Da ist zum Beispiel Werner Link vom Haus am Kappelhof, der ganz begeistert ist, Auto fahren zu dürfen, wie er sagt, und damit den „Musik Express“ meint. Da sind Michael Kochendörfer, der Bratwurst liebt und Harry Keller, der schon als Kind am liebsten mit dem Riesenrad gefahren ist. Sie alle und noch rund 100 weitere vom Haus am Kappelhof, der Lebenshilfe, des Heilpädagogischen Zentrums, der Kinderklinik Schömberg, der Gustav-Heinemann-Schule und des BWLV-Zentrums für Prävention und Rehabilitation bekommen leuchtende Augen, wenn sie von „Zauberwesen“ und „Engeln“ begleitet werden.
Zu denen, die bereitwillig und unbürokratisch helfen, gehört auch der Pforzheimer Unternehmer Roland Rauschmayer. Er hat stets ein großes Herz und offenes Ohr, wenn Hella Marquardt um finanzielle Hilfe für die Benachteiligten bittet. „Vor 30 Jahren habe ich diese Frau Gott sei Dank kennengelernt, als sie armen Kindern Schuhe kaufen wollte, die auch im Winter nur Sandalen anhatten“, erzählt er, nachdem er von Oberbürgermeister Gert Hager die Ehrenplakette der Stadt Pforzheim für sein vielfältiges Mäzenatentum zum Wohle der benachteiligten Menschen im Festzelt überreicht bekam. „Das ist die schönste Ehrung, die ich je erhalten habe“, sagte Rauschmayer mit brüchiger Stimme und einer Träne im Auge. Bewusst sei ihm diese Auszeichnung nicht im Rathaussaal überreicht worden, sondern auf der Mess, wo das Leben pulsiere, so der OB. „Sie haben Zirkus- und Schaustellerblut in Ihren Adern, deshalb ist die Mess der richtige Ort für die Auszeichnung“, sagte Hager. Danach lagen sich Hella Marquardt und Roland Rauschmayer in den Armen: „Liebe Hella, sei Dir bewusst, dass Du nicht bettelst, wenn Du von mir finanzielle Hilfe für die Benachteiligten erbittest“, ermutigte er den guten Geist Pforzheims dazu, weiter segensreich zu wirken.
werktags von 12 bis 23 Uhr, sonntags von 11 bis 23 Uhr, freitags und samstags
von 11 bis 24 Uhr geöffnet.
Autor: Roger Rosendahl





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