
BIRKENFELD. Mit zwei Hundertschaften hat die Polizei am Samstag in Birkenfeld ein geplantes Skinhead-Konzert verhindert. 500 Teilnehmer aus der rechtsradikalen Szene wollten sich im Kleintierzüchterheim im Erlach treffen.
Ermittler der Polizei hatten am Samstag herausgefunden, dass die Musikgruppen Carpe Diem, Endstufe, Kommando Skin und Faustrecht aus der rechten Szene über das Internet ein Konzert zu organisieren versuchten. Unter dem Vorwand, eine private Feier abzuhalten, hatten die Neonazis den Birkenfelder Kleintierzüchterverein hinters Licht geführt. Die Pforzheimer Polizei rechnete mit rund 500 Personen, die sich auf den Weg zu dem Vereinsheim im Erlach machten, und zog starke Kräfte zusammen. Eine Hundertschaft, die am Samstagnachmittag in Karlsruhe noch beim KSC-Bundesligaheimspiel gegen Werder Bremen im Einsatz war, fuhr Richtung Pforzheim.
Um 20.30 Uhr trat der Verantwortliche des Kleintierzüchtervereins von der Vermietung zurück und forderte die Besucher auf, das Vereinsheim zu verlassen. Die Personen aus den rechtsradikalen Gruppen ignorierten allerdings die Aufforderung. Die Einsatzkräfte der Polizei unter Leitung von Uwe Bux, Chef des Reviers Nord, sperrten deshalb die Zufahrten zu den Züchtern und zum benachbarten Fußballplatz und wiesen weitere anreisende Teilnehmer zurück.
Die Einsatzleitung der Polizei nahm Kontakt mit dem Veranstalter auf und forderte ihn auf, das Vereinsheim zu räumen. „Wir haben den Organisator des Konzerts darauf hingewiesen, dass die Verletzung des Hausrechts strafrechtliche Ermittlungen nach sich ziehen wird“, so Polizei-Pressesprecher Wolfgang Schick. Die 300 Konzertbesucher, die bereits zum Vereinsheim angereist waren, mussten das Gelände verlassen. „Innerhalb der Frist, die wir gesetzt hatten, kamen die Personen unserer Aufforderung nach“, sagte Schick. Die Polizei überwachte mit Streifen in Pforzheim und den Gemeinden rund um Birkenfeld die Abfahrt der Neonazis, die aus dem gesamten süddeutschen Raum nach Birkenfeld gekommen waren.
Das Schema, nach dem die rechtsextremen Gruppen ihre Versammlungen und Auftritte ihrer Bands organisieren, ist meist gleich. Im Oktober 2004 hatten sich 300 Personen im Nieferner Kleintierzüchterheim getroffen – auch damals unter dem Vorwand, einen privaten Anlass zu feiern. Die Polizei, die damals das Konzert unterband, war zwar gut vorbereitet, erfuhr jedoch erst kurzfristig den Ort der Versammlung. Denn die rechtsextremen Gruppen organisieren die Anreise verdeckt. Die Teilnehmer werden mit Kurznachrichten aufs Handy zu Treffpunkten gelotst und erfahren erst im letzten Moment den Ort des Konzerts.
Immer wieder versuchen die rechtsradikalen Gruppen die Vermieter der Vereine, oft Kleintierzüchter, über den wahren Hintergrund der Veranstaltung zu täuschen. „Die Vereine haben aber auch nach der Anmietung noch ein Rücktrittsrecht und können ihr Hausrecht mit Hilfe der Polizeikräfte durchsetzen“, sagt Wolfgang Schick.
Autor: PZ-REDAKTEUR RALF STEINERT





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